Mittwoch, 17. Juni 2009

Hunde und Kinder – ein Appell an alle Eltern

Liebe Hundefreunde, liebe Eltern, heute schreibe ich nicht selbst, sondern lasse mein Frauchen mal erzählen. Es ist ihr nämlich ein dringendes Bedürfnis mal einen Appell an ihre Artgenossen zu richten – so von Mensch zu Mensch:

Was ich jetzt schildere mag unglaublich klingen, aber weil ich "Begegnungen dieser Art" in hier im Park schon erschreckend häufig hatte, nehme ich mir nun die Zeit mal einen Artikel zu schreiben und schildere einen kürzlich erlebten Vorfall: Ich gehe mit meinem Hund spazieren, auf einem Parallelweg geht eine Familie mit Kindern. Mein Hund ist kinderlieb, aber ich leine ihn natürlich sofort an – schließlich weiß nicht nur mein Hund, sondern auch ich was sich gehört. Die Wege münden schließlich ineinander, die Familie ist jetzt einige Meter hinter mir. Eines der Kinder, ein ca. 6-7-Jähriger Junge kommt plötzlich von hinten (schreiend) auf meinen angeleinten und bei Fuß gehenden Hund zugerannt, bremst erst ab, als er direkt am Hund steht. Nun ist mein Hund glücklicherweise an Kinder gewöhnt und äußerst nervenstark – "Schuss- & Wasserfest", wie ich zu scherzen pflege. Jeder andere Hund hätte sich wahrscheinlich schon von sehr der merkwürdigen Attacke des fremden Jungen bedroht gefühlt. Ich wundere mich, dass die Eltern die Szene beobachtet haben, haber keinerlei Anstalten machen dem Kind zu erklären, dass sein Verhalten gefährlich sein kann. (Schließlich kennen die Leute meinen Hund nicht, und konnten vorher nicht wissen, ob er nervenstark genug ist solche Angriffe so lässig hinzunehmen.)

Das Kind läuft wieder zu den Eltern zurück - allerdings nur, um Anlauf für die nächste Attacke zu nehmen. Das Ganze wiederholt sich 4 mal, die Eltern sehen zu, ohne ein Wort zu sagen. Ich beschließe, beim nächsten Angriff des Jungen die Initiative zu ergreifen. Wenn es die Eltern schon nicht für nötig halten ihrem Kind zu erklären, dass man sich fremden Tieren nicht in dieser Form nähern darf, will ich es wenigstens tun. Das Kind kann ja schließlich nichts dafür und meinem Hund - nervenstark hin oder her - möchte ich weitere Angriffe nun auch nicht länger zumuten.

Leider fällt die nächste Attacke des Jungen noch heftiger aus – denn jetzt bremst er gar nicht mehr ab, sondern springt meinem armen Hund ungebremst von hinten direkt auf den Rücken. (Ein dreifach Hoch auf Alex‘ grenzenlose Kinderliebe und unendliche Güte im Umgang mit Kindern!) Ich kniee mich also zu dem Kind nieder und erkläre ihm freundlich aber bestimmt, wie gefährlich diese Aktion war, und dass ihn manch anderer Hund dafür wahrscheinlich jetzt gebissen hätte. Ich erkläre dem Kind, dass es dem Hund weh tut, wenn man ihm so in den Rücken springt, und dass es eben auch Hunde gibt, die nicht an Kinder gewöhnt sind, eventuell Schmerzen haben, oder sogar von Menschen schlecht behandelt wurden - und sich dann bedroht fühlen, wenn plötzlich ein wildfremdes Kind angerannt kommt und schreiend auf sie drauf springt. Siehe da, das Kind hört meinen Erklärungen aufmerksam und sehr interessiert zu. Inzwischen sind aber auch die Eltern herangekommen. „Geben Sie sich keine Mühe, das macht der immer, wenn er einen Hund sieht“, teilt mir die Mutter des Jungen lapidar im Vorbeigehen mit, nimmt ihr Kind an die Hand und zerrt es dann ohne Worte weiter. Ich bleibe fassungslos zurück.

Dies ist leider kein Scherz und auch leider kein Einzelfall! Ich habe es schon mehrfach erlebt, dass Kinder auf den angeleinten und bei Fuß gehenden Hund zu gerannt kommen, um ihm entweder begeistert um den Hals zu fallen, oder sich auf seinen Rücken zu werfen. Beides ist für den Hund nicht besonders angenehm und kann bei manchen Hunden zu einer Abwehrreaktion führen. Und in den allermeisten Fällen gingen die Eltern einfach völlig unbeteiligt weiter! (In einem Fall kam ein Mutter völlig hysterisch schreiend angelaufen, um ihr Kind vom Hund wegzureißen, aber auch das ist nun nicht gerade das geschickteste Verhalten.) Darum möchte ich nun mal einen eindringlichen Appell an alle Eltern richten:

Liebe Eltern! Nicht nur die Hundebesitzer, auch ihr als Eltern seid gefordert, Verantwortung zu übernehmen, damit nichts passiert! Hunde sind nun einmal – genau wie Autos, Fahrräder und Menschen – ein Teil des öffentlichen Lebens. Und genau so, wie es eine elterliche Pflicht ist, dem Kind beizubringen, dass es nicht auf einer Autobahn spielen darf und bei Rot an der Ampel stehen bleiben muss, muss man Kindern auch erklären, dass sie von fremden Tieren gegenüber – seien es Hunde, Pferde oder sonstige Tiere – respektvoll und ruhig verhält, sie vor allem aber nicht bedrängt.

Es kann doch nicht so schwer sein seinen Kindern zu erklären, dass sich fremde Hunde bedrängt fühlen, und aus Angst auch mal zuschnappen könnten, wenn ein fremdes Kind auf sie zurennt und sie anspringt. Ich habe das schon vielen Kindern erklärt. Sie haben mir immer gebannt zugehört und es auch sofort begriffen. Und ich finde es absolut unverantwortlich, wenn Eltern schlicht zu faul sind, ihren Kindern solche einfachen Verhaltensregeln zu erklären!

Wer seinem Kind niemals beibringt, dass es stehen bleiben muss, wenn die Ampel auf Rot steht, der darf auch nicht den Autofahrer allein verantwortlich machen, wenn das Kind überfahren wird. Und wer Vorschnell urteilt, wenn in den Zeitungen wieder reißerisch über eine ‚Beißattacke‘ berichtet wird, der sollte sich lieber selbstkritisch fragen, ob er sein Kind eigentlich gut genug darüber aufgeklärt hat, dass man fremde Tiere nicht einfach anfassen oder bedrängen darf – und es ggf. ganz schnell nachholen! Denn nur wenn Hundehalter UND Eltern sich verantworungsbewusst verhalten, können "Beißvorfälle" sicher vermieden werden.

Viele Grüße vom Alex und seinem Frauchen!

PS: Es soll natürlich nicht unerwähnt bleiben, dass wir auch schon sehr viele sehr positve Begegnungen hatten, in denen sich die Eltern absolut vorbildlich verhielten, ihre Kinder daran erinnert haben, dass man immer fragen muss, ob man den Hund anfassen darf usw. Solche netten Begegnungen freuen Hund, Kind und Hundebesitzer gleichermaßen.
Allerdings häufen sich solche seltsamen Vorfälle wie oben beschrieben, leider seit wir in Düsseldorf wohnen. Als ich noch auf dem Land wohnte, ist mir so etwas noch nie passiert. Ich kann allerdings nicht sagen, ob "Stadtkinder" allgemein unbeholfener im Umgang mit Tieren sind, oder ob es evtl. an der Hundevorordnung liegt. Ich vermute, die Hundeverordnung schürt bei einigen Menschen den Irrglauben, dass alle Hunde, die nicht als "gefährlich" eingestuft wurden, nun Stofftieren gleichzusetzen und zum "hemmungslosen draufrumspringen" freigegeben sind. Ich habe den Eindruck, seit Inkrafttreten des Hundegesetzes fühlen sich einige Eltern überhaupt nicht mehr verantwortlich ihren Kindern das richtige Verhalten bei Hundebegegnungen Nahe zu bringen. Das kann jedoch fatale Folgen haben. Einige Tipps , wie man Kindern den richtigen Umgang mit dem Hund vermittelt gibt es hier.

Kommentare:

  1. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

    Außer vielleicht... in Wien schockiert es mich tagtäglich, wie oft Eltern mit ihren Kindern an der Hand hektisch über die Straße laufen, obwohl es knallrot ist.
    Mich wundert es also nicht, dass Kinder sich dann natürlich auch nicht weiter drum kümmern.

    Außerdem wird von den Eltern immer erwartet, dass wir Hundehalter auf alles achten müssen.
    Aber wehe, es passiert etwas, dann ist das Geschrei groß und ein Hund muss eingeschläfert werden, obwohl er ja eigentlich nichts dafür kann.

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  2. Die Erfahrung mit Kindern/Eltern machen wir auch immer wieder. Und das ist mit einem großen Schäferhund recht bedenklich - auch wenn dieser Kinder gerne mag.

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  3. @wazi & Noah

    Danke für eure Kommentare. Inzwischen habe ich jetzt nach diesem Blogpost einige Mails erhalten, in denen erschreckend viele Hundehalter berichten, dass sie ebenfalls immer wieder ähnliche Erfahrungen machen. Ich finde das wirklich erschreckend.

    Vielleicht sollte man Eltern verpflichten mit ihren Kindern an einer Verkehrserziehung "wie verhalte ich mich richtig im Straßenverkehr" und "wie verhalte ich mich richtig bei Hundebegegnungen" teilzunehmen. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass Eltern ihren Kindern die Umwelt erklären und ihnen alles Wissen mit auf den Weg geben, damit sich die Kinder unbeschadet in ihrer Umwelt zurechtfinden. Die Ignoranz und "Sch..-egal-Einstellung" mancher Eltern ist wirklich unglaublich!

    Aber - wie wazi schon ganz richtig schreibt - WENN dann mal etwas passiert, dann ist das Geschrei riesengroß. Und ausbaden müssen es die, die am wenigsten dafür können: die Kinder und die Hunde!

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  4. Ich freue mich, dass ich solch falschem Verhalten an vorderster Front entgegenwirken kann. Als Schulhund habe ich es meinen Schützlingen beigebracht, wie man mit uns Vierbeinern umgeht. Lustig ist, dass die Kinder nun den Erwachsenen nett beibringen wie man das macht.
    Liebe Grüsse
    Dajosch

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  5. Wir wohnen auf dem Land, aber ich kenne solche Begegnungen auch. Bruno, unser Senior, ist absolut kinderlieb, er würde zwar erschrecken, aber wohl niemals zuschnappen, aber Duke, unser wilder Mittelspitz, mag keine (fremden) Kinder, daher reagiere ich sehr deutlich: Sobald ein Kind sich nähert, sage ich ihm sehr streng, "NEIN, bleib weg, der Hund beißt!"

    Leider sind nicht alle Hundehalter so rücksichtsvoll wie du und leinen ihre Hunde an, ich erlebe auch immer wieder Begegnungen der anderen Art:

    http://duke-im-netz.blogspot.com/2009/04/hundeangriff-teil-1.html

    und

    http://duke-im-netz.blogspot.com/2009/04/hundeangriff-teil-2.html

    Wenn sich jeder an gewisse Spielregeln hielte, wäre das Zusammenleben sehr viel einfacher *seufz*.

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  6. Wir wohnen in den USA - und auch hier ist es nicht anders. Wenn Kinder unseren Hund sehen, dann stuermen sie drauf los um ihn zu streicheln. Ich bin nur froh, dass er von meinen Kindern soviel gewohnt ist u. sich teilw. sogar freut u. m. dem Schwanz wedelt, wenn Kinder ihn "anfallen". Auch hier kommt kein grosser Kommentar von den Eltern.
    Meine Kinder halten sich jedoch fremden Hunden gegenueber zurueck. Das habe ich ihnen eingebleut bis zur Vergasung.
    LG

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