BARF / Barfen - was bedeutet das?Der Begriff stammt aus den USA, wo die Abkürzung „BARF“ ürsprünglich für „
Born
Again
Raw
Feeders“ stand, was übersetzt soviel wie „neugeborene Rohfütterer“ bedeutet. Dann folgte ein Bedeutungswandel und die Abkürzung BARF stand für „
Bones
And
Raw
Foods“ (Knochen und rohes Futter). Im Deutschen wurde schließlich irgendwann von Anhängern dieser Fütterungsmethode die Bedeutung „
Biologisches
Artgerechtes
Rohes
Futter“ zu den Buchstaben gedichtet. Die Entwickler der BARF Fütterungsidee orientierten sich an den Fressgewohnheiten wildlebender Caniden und stellen den Hund in den direkten Vergleich mit dem Wolf. In diesem Sinne verfüttern sie ausschließlich rohes Fleisch, Knochen und Gemüse.
Grundsätzlich begrüße ich es ja bekanntlich sehr, wenn sich Hundehalter Gedanken um die Ernährung des Hundes machen. Schließlich kann der Hund - im Gegensatz zu seinem wildlebendem Vorfahren, dem Wolf, - ja nicht selbst entscheiden, was er fressen möchte. Die Verantwortung für die Ernährung des Hundes liegt also beim Hundebesitzer. Und das ist eine große Verantwortung! Denn - so weit die Meinungen bei der Ernährung auch auseinander gehen mögen - in einer Sache sind sich alle Experten einig: Die Ernährung des Hundes ist ein wichtiger Gesundheitsfaktor - so, wie eine optimale Ernährung eine vorbeugende Wirkung zur Gesunderhaltung des Hundes hat, und sogar zur Heilung oder Besserung von Krankheiten beitragen kann, kann andererseits eine fehlerhafte Ernährung den Hund krank machen. Soweit so gut. Nun bleibt aber die spannende Frage:
Was ist die optimale Ernährung für den Hund?Und da beginnt es dann schon kompliziert zu werden... Die Argumente für das Barfen werden oft sehr emotional vorgetragen, was vielleicht auch an der im Deutschen neu ersonnenen Bezeichnung in „
Biologisches
Artgerechtes
Rohes
Futter“ liegen mag. Dieser Begriff, (der ja mit der ursprünglichen Bedeutung der Abkürzung BARF eigentlich nicht mehr viel gemeinsam hat), suggeriert dem geneigten Leser, dass dies „die einzig wahre und artgerechte Fütterung“ sein müsse. So kam das Barfen mit dem Bedeutungswandel der Bezeichnung hierzulande auch sehr in Mode. Dass die Rohfütterung auch Risiken birgt, wird dabei allerdings oft verschwiegen. Genau das ist der Grund, warum ich dieses Thema nun aufgegriffen habe. Ich möchte hier weder Panik verbreiten, noch das Barfen schlecht machen. Die nachstehend genannten Risiken
müssen natürlich nicht zwangsläufig auftreten, aber sie
können eben durchaus auftreten. Darum bin ich der Meinung, dass sie auch mal erwähnt werden sollten. Wir können (und wollen) hier lediglich Denkansätze liefern - denken und entscheiden muss dann jeder Hundehalter für seinen Hund selbst.
Vorteile von BARF / BarfenFertigfutter für Hunde gibt es viele, und in der Werbung versprechen sie alle, nur das Beste für unsere Hunde zu wollen. Allerdings ist inzwischen weitgehend bekannt, dass viele Fertigfuttern aus minderwertigen Zutaten zusammengesetzt sind. (Das Thema hatten wir ja bei unserem
Hundefuttertest schon einmal näher beleuchtet.) Insofern ist es sicherlich als Vorteil zu sehen, dass Barfer frische Zutaten verwenden, die sich im frischen Zustand auch wesentlich leichter in der Qualität beurteilen lassen. Ein weiterer Vorteil ist sich auch, dass bei der frischen Zubereitung des Futters auf Lockstoffe, Farb- und Duftstoffe, Füllstoffe, Konservierungsmittel usw. verzichtet werden kann. Das ist ohne Zweifel sehr positiv. Bei selbst zusammen gestelltem Futter - sei es nun roh oder gekocht - kann man die Rationen individueller auf Aktivität des Hundes, eventuelle Erkranungen usw. einstellen. Das ist positiv, sofern man weiß was man tut und umfassend informiert ist.
Nachteile & Risiken von BARF / BarfenTierärzte sehen den Trend zum Barfen eher kritisch und warnen oft vor den Risiken. Das Verfüttern von rohem Fleisch, rohem Fisch, ungekochten Schlachtabfällen und rohen Eiern stellt für Hunde nämlich auch eine Infektionsgefahr dar, die von Hundehaltern oft unterschätzt wird. Einige schließen sich dem BARF-Trend an, ohne über diese Riskiken informiert zu sein. Und einige Internetseiten, die dringend zum Barfen raten, versäumen es leider, die möglichen Risiken aufzuzeigen. Die Risiken: mit dem rohen Fleisch, Fisch & Ei können verschiedene Krankheitserreger wie z.B. Parasiten, Viren und Bakterien übertragen werden. Viren und Bakterien bleiben auch nach Aufbewahrung des rohen Fleisches im Kühl- oder Gefrierschrank teilweise monatelang lebensfähig. Durch Kochen, lassen sie sich dagegen abtöten. An dieser Stelle winken die Fans des Barfens meist ab: „
Der Wolf frisst ja schließlich auch roh!“, lautet das Argument. Stimmt, soweit ich weiß, wurde noch nie ein Wolf beim Kochen beobachtet. Allerdings hinkt der Vergleich mit dem Wolf hier mal wieder: die Beutetiere des Wolfes sind nämlich schon ganz andere, als die Tiere (bzw. deren Teile), die der Mensch heute an den Hund verfüttert. Ein paar Beispiele, über die man vielleicht nachdenken sollte, wenn man den Wolf in freier Wildbahn mit dem Haushund von heute in einen direkten Vergleich stellen will:
Unterschiede Wolf / Hund & Ernährung
Beispiel 1: Die Beutetiere des Wolfes stehen nicht in großen Herden auf kleinen, eingezäunten Wiesen. Geschweige denn, in engen Ställen. Die Beutetiere des Wolfs bewegen sich in freier Wildbahn. Sie haben unendliche Weiten als Weideflächen zur Verfügung, auf denen sie ständig weiter ziehen. Und instinktiv frisst ein weidendes Tier niemals dort, wo es selbst Kot absetzt. Eine kluge Einrichtung von Mutter Natur - so haben Endoparasiten wie Würmer, Giradien & Co nämlich ganz schlechte Chancen!
Bei dem Fleisch, das heute zur Hundefütterung zur Verfügung steht, sieht das schon ganz anders aus. Heute stehen die Tiere in engen Ställen, mit viel Glück vielleicht auch auf der Wiese. Dann allerdings hindern Zäune sie daran, beim Weiden weiter zu ziehen. So sind sie gezwungen auch in der Nähe der Stellen zu grasen, wo sie auch Kot absetzen. Das freut die Würmer, denn sie können sich so immer mehr ausbreiten und mit dem rohen Fleisch dann auch in den Hund gelangen.
Zwar sind auch einige Wildtiere gelegentlich auch Zwischenwirte (zum Beispiel für Bandwürmer), aber Hunde sind leider Endwirte für die meisten Bandwürmer. Somit tragen sie auch den größten Schaden davon. (Mehr zu den einzelnen Risiken ist auch hier nachzulesen:
http://www.tierklinik.de/ratgeber.php?content=00057, sowie hier:
http://www.nutripets.de/fehler/barf.html oder auch hier:
http://www.wuff.at/artikel.php?artikel_id=667 ) Wer also rohes Fleisch und rohen Fisch füttert, der sollte noch häufiger Kotproben vom Hund untersuchen lassen, um eventuellem Parasitenbefall rechtzeitig entgegen wirken zu können und darüber hinaus vor allem auch sehr auf Krankheitsanzeichen und Veränderungen im Verhalten des Hundes zu achten, um eventuelle Infektionskrankheiten rechtzeitig erkennen und behandeln lassen zu können. Rohes Schweinefleisch sollte wegen der Gefahr, den Hund mit dem Aujetzky-Virus (Pseudo-Tollwut) ohnehin ganz tabu sein! Die Gefahr der anderen Infektionskrankheiten (siehe Links) bleibt jedoch bestehen.
Noch ein feiner Unterschied zwischen Wolf und Hund: wer argumentiert, er habe noch nie einen Wolf in freier Wildbahn gesehen, der sein Fleisch abkocht, der wird wohl oder übel auch zugeben müssen, dass er sicher auch noch nie einen Wolf gesehen hat, der sein Fleisch aus einer
Massentierhaltung bezieht, wo die Masttiere mit sämtlichen Hilfsmitteln (Anabolika, Antibiotika, genmanipuliertes Futter etc.) in Rekordzeit auf Schlachtgewicht gemästet werden.
Das sehen viele derer, die so gerne mit dem Wolf als Vorbild für artgerechte Hundeernährung argumentieren, nämlich seltsamerweise als völlig normal und selbstverständlich an!? (Konventionell erzeugtes Fleisch (Also Nicht-Bio-Fleisch) enthält zum Beispiel unter anderem auch 14 mal mehr Pestizide, als konventionell erzeugte rein pflanzliche Nahrungsmittel selbst. Quelle: Cancer (Alternative Medicine Definitive Guide) von W. John Diamond)
Fakt ist leider: das Fleisch, das heute 'konventionell produziert' wird, hat mit den Beutetieren des Wolfs in unberührter Natur wohl nur noch sehr, sehr wenig gemeinsam. Somit hinkt der Vergleich auch hier wieder ganz gewaltig...
Beispiel 2: Ein weiterer Punkt, den Tierärzte im Zusammenhang mit dem Barfen oft beklagen, sind Verstopfungen bis hin zum durch zu viele Knochen und zu viel schwer Verdauliches. Der freilebende Wolf ist wohl unbestritten stärker von natürlichen Instinkten geleitet, als der heutige Haushund. Davon abgesehen, muss er zunächst einmal selbst jagen, um überhaupt was zu zwischen die Zähne zu bekommen. Das heißt, er muss sich bewegen - und das nicht zu knapp! Die kurze Gassirunde um den Häuserblock, die bei sehr vielen heutigen Haushunden leider gängige Praxis ist, kann man wohl kaum mit der Beutejagd des Wolfes vergleichen. Da hinkt der Vergleich also schon wieder gewaltig... Hat der Wolf dann erfolgreich gejagt, frisst er instinktiv exakt soviel wie er braucht, (und er weiß wie viel er braucht!) - den Rest vergräbt er für schlechte Zeiten. Unter dem Wohnzimmerteppich lässt sich das für den Hund allerdings schlecht realisieren. ;o) Will heißen: im Gegensatz zum Wolf, frisst der Hund in der Regel das, was der Zweibeiner ihm in den Napf legt. Und - nicht alle, aber die meisten Hunde, haben im Laufe der Domestikation schlicht “verlernt” aufzuhören, wenn sie exakt die Menge gefressen haben, die sie tatsächlich benötigen. (Leicht zu erkennen, an den vielen übergewichtigen Hunden, die man so sieht...)
Beispiel 3: Obwohl auch Wölfe Rohfaser brauchen, nehmen sie diese selten direkt in Form von Pflanzen auf. Den Hauptteil des Rohfaseranteils nimmt der Wolf auf, indem er die vorverdauten pflanzlichen Stoffe aus dem Verdauungstrakt seiner Beutetiere frisst. Das macht Sinn, denn Wolf (und Hund) machen keine Kaubewegung, bei der pflanzliche Nahrung zermahlen wird. Daher können die Zellwände der pflanzlichen Nahrung nicht so zerkleinert werden, dass die Nährstoffe aufgenommen werden könnten. (Wir hatten das ja schon einmal in dem Artikel "
selber kochen für den Hund" erläutert.) Durch Kochen kann man die Vorverdauung zumindest annähernd "simulieren" und die Rohfaser für den Hund verwertbar machen. „
Aber da gehen die Vitamine verloren!“, argumentieren Barfer an dieser Stelle. Ja, zu einem geringen Anteil gehen beim Kochen von pflanzlicher Nahrung Vitamine verloren. Das stimmt. Allerdings ist genau das auch der Fall, wenn die Nahrung im Verdauungstrakt des Beutetieres schon vorverdaut wird! ;o)
Auf einen ganz wesentlichen Punkt, der bei der Forderung nach Artgerechtigkeit und im Vergleich mit dem Wolf oft ganz übersehen wird, kommen wir hier noch einmal zurück.Die Beispiele ließen sich jetzt noch weiter fortsetzen, aber an dieser Stelle beenden wir das. Ich will nämlich jetzt mit Frauchen an die frische Luft! Und da ich kein Wolf in freier Wildbahn bin, sondern ein Hund, brauche ich dazu einen meiner Zweibeiner. Die müssen nämlich aufpassen, dass mich kein Auto oder Radfahrer über den Haufen fährt - Dinge um die sich ein Wolf in der unberührten Wildnis übrigens auch keine Gedanken machen muss. ;o)
Aber HALT! Was ist denn nun die optimale Hundefütterung? Nee, nee, liebe Zweibeiner, so einfach kann ich es euch leider nicht machen. Was nun wirklich die optimale Ernährung für den Hund ist, muss wohl jeder Hundebesitzer selbst für seinen Hund / seine Hunde entscheiden, denn jeder Hund ist auch verschieden. Alter, Aktivität, Gesundheitszustand und viele weitere Faktoren spielen dabei eine Rolle. Dazu ist es hilfreich Infos zu sammeln, und Vor- und Nachteile abzuwägen und sich Gedanken zu machen. Ob roh oder gekocht - wer seinem Hund das Futter selbst zusammenstellen will, sollte sich aber auf jeden Fall gründlich (und nicht nur im Internet) mit dem Thema Hundeernährung / Hundefütterung auseinander setzen und informieren. Parasitäre Erkrankungen sind bei der Rohfütterung (BARF) nicht das einzige Risiko. Eine noch größere Gefahr geht, wie schon erwähnt, bei der Rohfütterung von den verschiedenen Viruserkrankungen aus, mit denen sich der Hund durch rohes Fleisch infizieren kann. Es würde zu weit führen, hier auf jede einzelne einzugehen, darum rate ich, das Thema ausführlich mit dem Tierarzt des Vertrauens zu besprechen und sich dort genau über die Risiken im Detail zu informieren, bevor man sich blind auf selbst ernannte "Barf-Gurus" verlässt und barft, ohne zu wissen was man eigentlich tut. Denn, so hitzig das Thema Hundeernährung auch diskutiert wird und - so unterschiedlich die Meinungen zur Hundefütterung auch sein mögen - Wissenschaftler sind sich einig: Die Ernährung hat einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit des Hundes. Und auch wer zum Fertigfutter greift, sollte sich keinesfalls blind auf die Werbeversprechen der Futterhersteller verlassen, sondern kritisch sein. Auch hier sollte man ganz genau hinsehen und genau abwägen. Keine leichte Aufgabe...
Bis bald, euer Alex! (Alexander Bömbelmann ;o)
PS: Damit kein falscher Eindruck entsteht: wir haben nichts gegen Barfer und wollen hiermit auch keine "Stimmung gegen Barf" machen. Es mag Hunde geben, die mit dieser Art der Fütterung gut zurecht kommen, das wollen wir gar nicht abstreiten. Wir haben nur entschieden etwas dagegen, Hundebesitzer zu dieser Art der Fütterung zu überreden, ohne sie über die Risiken des Barfens aufzuklären. Wer sich dann für welche Art der Fütterung entscheidet, bleibt jedem selbst überlassen. Leider wird in manchen Tierforen im Netz jeder, der nicht barft, schon fast als Tierquäler oder zumindest als "Rabenfrauchen" bzw. "Rabenherrchen" von einigen Hardcore - Barfern gemobt. Und das finden wir, ehrlich gesagt, ziemlich daneben. Denn, selbst die Hardcore-Barfer müssen zugeben: Das Barf für Hunde gesünder sein soll, ist bislang nur eine These, eine Vermutung von Anhängern dieser Art der Hundefütterung. Nicht mehr, und nicht weniger. Konkrete, wissenschaftlich fundierte Beweise dafür oder unabhängige wissenschaftliche Langzeitstudien gibt es bisher nicht. Und man sollte auch nicht vergessen, dass mit dieser These inzwischen auch viel Geld verdient wird. Die Annahme, der Barfer, Barf sei gesünder, leitet sich vom direkten Vergleich mit dem Wolf ab. Ob man diese Meinung nun teilen möchte oder nicht, sollte man jedem Hundebesitzer selbst überlassen.
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