Dann könnte dieses Buch weiterhelfen. Warum haben so viele Menschen Angst, viele sogar panische Angst vor Hunden? Ängste, oder gar Phobien entwickeln manche Menschen gegen viele Dinge. Was ist überhaupt eine Phobie? Eine übertriebene, nicht durch reale Gefahr begründete Angst. Doch während man Menschen, die zum Beispiel an einer Arachnophobie (Spinnenangst) leiden, sofort zu einer Therapie rät, scheint eine Hundephobie eher “gesellschaftlich anerkannt” zu sein.
Auch die Betroffenen einer Hundephobie selbst, haben meist das Gefühl, ihre panische Angst vor Hunden sei durchaus begründet, während dagegen die Einsicht, dass die übertriebene Angst zum Beispiel bei einer Spinnenphobie unbegründet und unsinnig ist. Spinnenphobiker und andere Phobiker - seien es soziale oder andere Phobien - sehen es als selbstverständlich an, dass sie etwas gegen ihre Angst tun, sich in Behandlung begeben müssen. Auch wenn sie von der Angst oft überwältigt und wie gelähmt sind - sie wissen meist, dass diese Angst nicht normal und behandlungsbedürftig ist. Hundephobiker dagegen, sehen das Problem meist nicht bei sich. Sie sehen es als selbstverständlich an, dass andere etwas tun müssen - nämlich Hunde von ihnen möglichst weit fern halten, am Besten ganz abschaffen.
Wie kommt das?Hunde
können beißen, soviel steht fest. Das steht ebenso fest, wie die Tatsache, dass es giftige Spinnen gibt, deren Gift Menschen töten kann. Die Medien tragen einen großen Teil dazu bei, dass gerade die Hundeangst enorm geschürt werden. Beißt ein Hund einmal zu, gibt es nicht selten 200 bis 300 Medienberichte zu einem einzigen Hundebiss. Hinzu kommt, dass diese Berichte dann wieder auf private Websites und Blogs kopiert werden. So hat der Leser ständig Schlagzeilen von Hundebissen vor Augen und es entsteht der Eindruck, es passiere ständig etwas. Dass hier immer wieder ein und der selbe Fall durchgekaut und aufgebauscht wird, geht im Schrecken der Nachricht völlig unter. Jeder einzelne Vorfall - und seien die Verletzungen auch noch so gering - ist den Medien eine Schlagzeile wert. Selbst wenn der Biss versehentlich beim Spielen oder definitiv durch eigenes Verschulden entstand und mit einem einfachen Pflaster versorgt werden kann, ist das den Medien eine Schlagzeile wert, die den Hund als "unberechenbare Bestie" darstellt. Bricht sich dagegen ein Reiter beim Reitunfall alle Knochen, wird von einem Pferd gebissen oder getreten, so interessiert das die Medien kaum bis gar nicht. Mit einem reißerisch formulierten Zeitungsartikel über eine ‘Hundeattacke’, der nun von allen Seiten regelrecht “eingehämmert” wird im Hinterkopf, geht der Leser auf die Straße und hat instinktiv ein ungutes Gefühl, wenn er einem Hund begegnet.
BeißstatistikenWeiterhin werden in den Medienberichten immer wieder Statistiken von Hundebissen zitiert. Besonders mit der Entstehung dieser Statistiken setzt sich Janis Bradley in ihrem Buch “Hunde können beißen - aber Luftballons und Pantoffeln sind gefährlicher” auseinander. Und dabei wird klar, der Buchtitel, der hier auf den ersten Blick fast absurd klingen mag, ist eine reale Feststellung. Es ist tatsächlich so, dass mehr Kinder an einem Luftballon ersticken, und mehr Menschen durch Hauspantoffeln zu Tode kommen, als durch Hundebisse. Die Chance, von einem Hund getötet zu werden, liegt bei 1:18 Millionen.
Janis Bradley deckt in ihrem Buch auf, dass die Zahlen und Statistiken über Hundebisse auf aus der Luft gegriffenen Schätzungen beruhen, geradezu absurd verfälscht sind und so einen völlig falschen Eindruck entstehen lassen.
Andere GefahrenBemerkenswert finde ich schon lange, dass sich scheinbar sehr viele Menschen Gedanken darum machen, von einem Hund ‘zerfleischt’ werden zu können, aber offenbar keine Gedanken darum machen, sie könnten einem Sportunfall, einem Gewaltverbrechen oder einem Verkehrsunfall zum Opfer fallen. Obwohl die Gefahr hierfür ungleich höher liegt. Ein nettes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Die Debatte um ein Tempolimit in Deutschland. Zahlreiche Verkehrsexperten argumentierten, dass sich dadurch die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr deutlich verringern ließe. (Immerhin haben wir ja jährlich rund 5000 Todesopfer im Straßenverkehr). Dennoch - da ging sofort ein Aufschrei durchs Volk! Tempolimit? Nicht mit uns! Wir geben Gas, 120 kmh reichen uns nicht. Da muss man eben ein paar Tote mehr oder weniger in Kauf nehmen. Ist halt ‘normales Risiko’…
Andererseits laufen aber Politiker Sturm, weil sie der Ansicht sind, die Gefahr, die von Hunden ausgeht, müsse dringend ausgeschaltet werden. Ich wiederhole noch einmal: Die Gefahr, durch einen Hundebiss ums Leben zu kommen, liegt bei 1:18 Millionen! Selbst die Gefahr durch einen Mückenstich ums Leben zu kommen liegt deutlich höher. Das ist kein scherz, sondern die Realität. Und das Risiko an einem Blitzschlag zu sterben, ist immerhin 5 mal so hoch, wie das, an einem Hundebiss zu sterben. (Warum ist es nicht schon lange Pflicht, dass jeder einen Blitzableiter auf dem Kopf trägt? ;o)
Was mich noch so wundertSelbst wenn der Hund noch so brav bei Fuß läuft, und entgegenkommende Passanten keines Blickes würdigt, beobachte ich gelegentlich ängstliche bis feindselige Blicke. Offenbar machen sich manche Leute Sorgen, vom Hund ‘angefallen’ zu werden. Dass hier direkt am Park vor ca. 2 Wochen eine Frau mit Messerstichen brutal ermordet wurde, und im letzten Jahr in einem anderen Park dieser Stadt 2 Menschen ‘aus Spaß’ von ihren menschlichen Artgenossen abgestochen wurden, scheint dagegen keinerlei Besorgnis auszulösen. Ebenso wenig, wie die Tatsache, dass alle paar Minuten in Deutschland ein Gewaltverbrechen (Mord, Totschlag, schwere Körperverletzung, Vergewaltigung usw.) geschieht. ‘Normales Risiko’? Darum sorgt sich niemand, während jeder Hund als potentielle Gefahr angesehen wird? Darüber sollte man vielleicht mal drüber nachdenken…
Wie gesagt, das Buch von Janis Bradley kann ich jedem empfehlen, der unter Hundangst leidet. Es holt auf den Boden der Tatsachen zurück und räumt mit einigen Missverständnissen auf. Dabei wird nichts beschönigt, denn natürlich
können Hunde beissen. Am Ende des Buches gibt es Tipps, wie man sich Hunden gegenüber richtig verhält. Erhältlich direkt beim
Animal Learn Verlag, oder direkt online zu bestellen über buecher.de (Versandkostenfrei) über diesen Link:
Hunde können beissen
Bis bald, euer - nein, heute ausnahmsweise der Alex höchst selbst, sondern Alex’ Frauchen. ;o)