Montag, 6. Oktober 2008

Wie viel Futter braucht der Hund?

Bei der Frage, wie viel Futter ein Hund benötigt, herrscht unter Hundehaltern immer noch sehr viel Unsicherheit. Wahrscheinlich ist das einer der Gründe, warum die meisten Hundehalter bevorzugt zum Fertigfutter greifen, denn dort stehen klare Fütterungsempfehlungen drauf. Allerdings ist das Befolgen dieser Fütterungsempfehlungen verschiedener Hersteller wahrscheinlich einer der Hauptgründe, warum es so viele übergewichtige Hunde gibt. Denn, die Angaben sind bei vielen Herstellern viel zu hoch gegriffen und nützen dem Hersteller wohl mehr als dem Verbraucher. Ganz zu schweigen vom Hund, der das Übergewicht mit sich herum schleppen muss und unter den daraus resultierenden Folgeerkrankungen leidet.

Es ist kaum möglich, eine pauschale Aussagen darüber zu treffen, wie viel Futter ein Hund benötigt. In Fachbüchern zum Thema Hundeernährung wird der Energiebedarf des Hundes mit ca. 55 Kcal (Kilocalorien) pro KG Körpergewicht bei großen Hunden, und ca. 110 Kcal pro KG Körpergewicht bei kleinen Hunderassen beziffert. Jedoch sind diese Werte nur als ganz grobe Richtwerte zu verstehen. Der tatsächliche Energiebedarf (Futterbedarf) eines Hundes kann sehr stark schwanken, denn er hängt von sehr vielen verschiedenen Faktoren ab:

  • Wie aus den groben Richtwerten schon hervor geht, haben kleinere Hunderassen im Verhältnis einen höheren Energiebedarf als größere Hunderassen.
  • Es versteht sich von selbst, dass neben Größe und Rasse des Hundes, auch die körperliche Aktivität des Hundes Einfluss auf den Energiebedarf bzw. Futterbedarf des Hundes hat.
  • Das Alter des Hundes spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Während der Welpe wegen des Wachstums einen höheren Energiebedarf hat, sinkt der Energiebedarf bei älteren Hunden in der Regel. Aber: Bei sehr alten Hunden kann sich der Energiebedarf durchaus auch wieder erhöhen.
  • Ob der Hund sich überwiegend draußen oder in einer geheizten Wohnung aufhält, hat ebenfalls Einfluss auf den Futterbedarf. Gerade bei winterlichen Temperaturen benötigt der Hund draußen mehr Energie, um die Körpertemperatur konstant zu halten.
  • Auch die Fellbeschaffenheit des Hundes spielt eine Rolle. Langhaarige Hunderassen, und Rassen die eine dichte Unterwolle haben verbrauchen draußen in der Regel weniger Energie zur Erhaltung der Körpertemperatur als kurzhaarige Rassen, bzw. Rassen mit sehr dünnem Fell. Aber: Während des Fellwechsels kann der Energiebedarf des Hundes mit langem Fell und / oder dichter Unterwolle dafür deutlich erhöht sein. (Mehr dazu: Fellwechsel bei Hunden)
  • Bei Hunden mit besonderen Leistungsbeanspruchungen wie Beispielsweise aktive Sporthunde, tragende oder säugende Hündinnen, Arbeitshunde (Hütehunde, Fährtenhunde, aktive Jagdhunde usw.) liegt der Energiebedarf ebenfalls deutlich höher als bei einem Hund mit weniger Leistungsbeanspruchung.
  • Ferner spielt auch die genetische Veranlagung mit und nicht zuletzt das Wesen des einzelnen Hundes mit. Ein Hund, der zur Nervosität neigt, verbraucht in der Regel auch mehr Energie, als ein ruhiger, ausgeglichener Hund.
  • Und nicht zuletzt können dann natürlich auch noch eventuelle Erkrankungen des Hundes den Futterbedarf mehr oder weniger stark verändern.

Es sind einfach zu viele verschiedene Faktoren, die den Energiebedarf bzw. Futterbedarf des einzelnen Hundes beeinflussen, um aus der Ferne eine konkrete Antwort auf die Frage: “Wie viel Futter braucht ein Hund?” geben zu können. Das wäre schlichtweg unseriös und würde vermutlich mehr Schaden anrichten, als es Hundebesitzern und deren Hunden nützlich sein könnte.

Ich als Hund, möchte den Hundebesitzern daher folgenden Rat geben: Macht euch nicht allzu sehr mit Zahlen verrückt, achtet einfach gut auf eure Hunde! Wenn der Hund putzmunter ist, seine Taille sichtbar ist, die Rippen ohne größeren Druck fühlbar, aber nicht von schon weitem sichtbar sind, ist die Figur OK. Eine gute Beobachtungsgabe und ein gesundes 'Bauchgefühl' seitens des Zweibeiners sind meiner Meinung nach mehr Wert, als Mengenangaben, die in Zahlen, Gramm und und Milligramm ausgedrückt sind.

Natürlich ist es richtig und auch wichtig sich Gedanken um die Ernährung des Hundes zu machen. Theoretisches Grundwissen ist unerlässlich, aber bei aller Theorie sollte man den Hund nicht aus den Augen verlieren. Jeder Hund ist ein Individuum, und so sind auch seine Bedürfnisse individuell verschieden. Eben so wenig, wie sich die Frage: "Wie lange muss der Hund täglich gestreichelt werden?" pauschal beantworten ließe, kann man auch solche Futterfragen nicht pauschal beantworten. Und - auch wenn es selbst ernannte "Experten" in verschiedenen Hundeforen manchmal ein wenig so darstellen wollen - es ist nicht gleich ein Rabenfrauchen (oder Rabenherrchen), wer nicht jede Hundemahlzeit mit der Briefwaage und der Rechenmaschine zubereitet. Sich der Verantwortung für die Futterzusammenstellung des Hundes bewusst zu sein ist gut, und diese Verantwortung wollen wir hier auch keineswegs herunter spielen. Aber ein gewisser Faktor "Pi mal Daumen" hat meines Wissens noch keinen Hund umgebracht. Zumindest dann nicht, wenn der Besitzer seinen Hund aufmerksam beobachtet und regelmäßig beim Tierarzt vorstellt.

Wer wirklich ganz konkrete Antworten in genauen Zahlen haben möchte, der wird nicht drum herum kommen, den Hund beim Tierarzt vorzustellen, und sich dort individuell beraten zu lassen. Eine weitere Möglichkeit wäre es, die Ernährungsberatung der Uni München (Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik) in Anspruch zu nehmen. Eine individuelle Futterberatung mit Ernährungsplan kostet dort zwischen 50,- und 110,- Euro (Stand 06. Okt. 2008). Aber auch in diesem Fall sollte eine Untersuchung beim Tierarzt vorausgehen, damit Blutwerte, Gesundheitszustand, eventuelle Erkrankungen des Hundes usw. entsprechend berücksichtigt werden und der Futterbedarf des Hundes richtig berechnet werden kann.

Bis bald, euer Alex! (Alexander Bömbelmann ;o)
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