Samstag, 4. Oktober 2008

Hunde fasten lassen?

Wir haben mal wieder eine interessante Frage von einer eifrigen Leserin, die ich hier sinngemäß wiedergeben möchte:

"Ich lese euer Hundeblog sehr gerne und habe dort schon viele nützliche Infos gefunden. Wir haben seit ca. 6 Monaten einen Hund, da hat man noch viele Fragen. Jetzt wurde mir geraten den Hund einen Tag in der Woche fasten zu lassen, also ihm gar nichts zu fressen zu geben. Mir tut das aber sehr leid wenn wir dann essen und der Hund mit knurrendem Magen daneben sitzt. Darum wollte ich mal wissen was ihr davon haltet, ob es wirklich sein muss den Hund einen Tag fasten zu lassen? Er hat kein Übergewicht oder so, es hieß nur das wäre artgerechter, weil der Wolf ja auch nicht täglich Beute macht. Was haltet ihr denn davon?"

Kurz und ehrlich: gar nichts! Den Hund einen Tag fasten zu lassen kann evtl. mal sinnvoll sein, wenn er zum Beispiel eine schwere Magenverstimmung hat und der Magen / Darm zur Ruhe kommen muss. Den Hund aber rein vorsorglich regelmäßig fasten zu lassen halte ich persönlich für völlig unsinnig, unnötig und teilweise sogar gefährlich. Bei Hunden, die zu Magendrehungen neigen, kann sich durch solche vorsorglich eingelegten Fastentage das Risiko einer Magendrehung völlig unnötig erhöhen. Es ist längst bewiesen, dass regelmäßige Mahlzeiten dem Hund besser bekommen. Und was das Stichwort "artgerecht" betrifft: Die Familie, in der ein Hund lebt, ist ja in der Regel so etwas wie sein "Rudel-Ersatz". Was soll bitte "artgerecht" daran sein, wenn sich das ganze Rudel den Bauch vollschlägt, während der Hund als einziges "Rudelmitglied" zu einem Fastentag verdonnert wird?

Hunde fasten lassen artgerecht?

Ich hatte es hier ja schon mehrmals angesprochen, der Vergleich Hund / Wolf hinkt bei näherer Betrachtung ziemlich oft. Wenn mal es nun aber unbedingt vergleichen will, sollte man bedenken: ist die Jagd des Wolfsrudels erfolglos, so müssen an diesem Tag alle Rudelmitglieder hungern. (Oder sich mit dem Knabbern von Wurzeln, Gräsern, Käfern und Schnecken begnügen, eventuell auch mal ein Insekt vertilgen.) Wer den Hund mit dem Argument hungern lässt, der Wolf wäre schließlich auch nicht jeden Tag bei der Jagd erfolgreich, der sollte dann bitteschön auch konsequent weiter denken: Die Vorfahren des Menschen hatten nämlich auch nicht jeden Tag den Teller voll! Der menschliche Verdauungstrakt ist nicht im Geringsten weniger geeignet Fastentage zu verkraften, im Gegenteil. Also: Wenn schon "artgerechte" Fastentage, dann bitteschön für alle im "Rudel" - einschließlich der Zweibeiner! (Damit dürfte sich das Thema in der Praxis dann schon von allein erledigen ;o)

Hunde fasten lassen zur Darmreinigung?

Neben der "Artgerechtigkeit" ist ein häufiges Argument, das Befürworter von Fastentagen nennen die "Reinigung" des Magen-Darm Trakts des Hundes. Allerdings stellt sich hier die Frage: Wenn der Hund qualitativ hochwertiges Futter erhält, wie dringend bedarf es dann überhaupt einer wöchentlichen (oder gar mehrmals wöchentlichen) "Reinigung"?

Alternativen zum Fasten

Einige Barfer empfehlen oft das Fasten, weil der hohe Fleischanteil, rohes Fleisch und Bindegewebe schwer verdaulich sind. Auch bei älteren Hunden mit eingeschränkter Aktivität wird gelegentlich empfohlen den Fleischanteil im Futter zu reduzieren. (Hierbei darf man aber nicht vergessen, dass ältere Hunde hochwertige, leicht verdauliche Proteine benötigen. Mehr dazu im Artikel "Wie sinnvoll ist Seniorenkost für Hunde".)

Anstatt den Hund ganz fasten zu lassen, halte ich es für wesentlich sinnvoller, zwischendurch mal einen fleischlosen Tag einzulegen. Faserstoffreiche pflanzliche Kost hat eine reinigende Wirkung auf den Magen-Darmtrakt des Hundes und es bringt weniger Unruhe in die Verdauung, als den Napf ganz leer zu lassen. Das kommt auch dem so gern benutzten Begriff 'artgerecht' meiner Meinung nach wesentlich näher, als den Hund fasten zu lassen. Abgesehen davon, versteht es sich doch fast von selbst, dass ich als Hund gegen Fastentage für Hunde bin, oder? ;o) Ein Glück, dass ich meine Zweibeiner mit diesen Argumenten auch überzeugen konnte!

Bis bald, euer Alex! (Alexander Bömbelmann ;o)

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