Sonntag, 14. September 2008

Das Gebiss des Hundes, Zahnwechsel beim Hund und die Aufgaben der Hundezähne


Ich weiß zwar nicht so genau warum, aber einer der häufigsten Suchbegriffe, über den Besucher in mein Hundeblog gelangen ist: „Aufgaben der Hundezähne“. Auch häufig gesucht: „Gebiss Hund, Hundegebiss, Hundezähne“ usw. Das Thema scheint also viele Hundefreunde zu interessieren, darum gehen wir - nachdem wir ja vor einiger Zeit schon mal was zur Zahnpflege beim Hund geschrieben hatten - heute noch mal auf das Thema Hundezähne / Gebiss des Hundes ein.

Die ursprünglichen Aufgaben des Hundegebisses sind Beutegreifen, festhalten, zerreißen und zerkleinern der Nahrung. (Wobei Letzteres wohl die Hauptaufgabe eines jeden Gebisses ist - egal bei welchem Tier.) Die Aufgaben Beutegreifen, festhalten der Beute, zerreißen sowie im Ernstfall die Verteidigung gegen Feinde und Futterneider sind beim heutigen Haushund eher in den Hintergrund getreten. Der Haushund reißt seine Beute ja nicht selbst und auch gegen Hyänen, Grizzlybären oder ähnliches muss sich der Hund von heute relativ selten verteidigen. ;o) So sind im Vergleich zum Wolfsgebiss sind die Fangzähne beim Haushund auch längst nicht mehr so lang scharf und kräftig wie bei seinem Vorfahren, dem Wolf.

Milchzähne / Milchzahngebiss des Hundes & Zahnwechsel beim Hund

Bei der Geburt des Hundes sind zunächst noch keine Zähne sichtbar. Die ersten Milchzähne brechen erst im Alter von circa 4 Wochen durch (das kann von Hund zu Hund etwas unterschiedlich sein) und im Alter von circa 2 Monaten ist der Durchbruch aller Zähne abgeschlossen. Das Milchgebiss des Hundes besteht aus 28 Zähnen - 14 Milchzähne im Oberkiefer, 14 im Unterkiefer, davon jeweils 6 Schneidezähne, 2 Fangzähne und 6 Backenzähne im Ober- und Unterkiefer des Hundes. Die Milchzähne sind spitzer, als die des bleibenden Hundegebisses.

Mit etwa dem 3-5 Lebensmonat beginnt dann der Durchbruch der bleibenden Zähne, der Zahnwechsel beim Hund. Unter den Zahnwurzeln der Milchzähne sitzen die Zahnkeime der bleibenden Zähne. Diese Zahnkeime der nachkommenden Zähne drücken auf die Wurzel der Milchzähne und lösen sie. Es kommt zur Drucknekrose, d.h. die Wurzeln der Milchzähne sterben ab und der Zahnrest fällt aus. Auf diese Weise werden dann, (ganz ähnlich wie auch beim Menschen), die Milchzähne durch die bleibenden Zähne ersetzt. Da der Zahnwechsel auch beim Hund mitunter schmerzhaft sein kann, sollte man Zieh- und Zerrspiele in dieser Zeit unterlassen. Kauspielzeuge und Kauartikel, wie zum Beispiel der Konk Dental Stick (Größe M) sollten dem Hund aber zur Verfügung gestellt werden, denn vielen Hunden erleichtert das den Zahnwechsel.

Zahnwechsel beim Hund. Foto © Walter Hupfer www.ashility.de


Mögliche Komplikationen beim Zahnwechsel des Hundes

Bein manchen Hunden verläuft der Zahnwechsel so unauffällig, dass der Hundebesitzer ihn kaum bemerkt, bei anderen Hunden kann der Zahnwechsel dem Hund starke Schmerzen verursachen oder es kann zu Störungen im Zahnwechsel kommen. Eine relativ häufig auftretende Störung ist, dass der bleibende Zahn neben dem Milchzahn erscheint, ohne dessen Zahnwurzel zerstört zu haben. Das bezeichnet man als doppelten Zahnbesatz. Ursachen für diese Störung können zu Beispiel Wachstumsstörungen des Kieferknochens sein. Zeigt der Hund im Zahnwechsel Schmerzen, stellt man einen doppelten Zahnbesatz fest, oder ist der Zahnwechsel des Hundes nach Abschluss des 7. Lebensmonats noch nicht abgeschlossen, sollte man das Gebiss des Hundes auf jeden Fall beim Tierarzt kontrollieren lassen. Ein paar weitere Informationen zum Zahnwechsel und möglichen Komplikationen beim Milchzahnwechsel des Hundes findet ihr auch in dieser PDF-Datei von Tierzahnärzte.de. (Mit weiteren Fotos)

Das bleibende Hundegebiss

Das bleibende Gebiss des Hundes hat in der Regel 42 Zähne, davon 20 im Oberkiefer und 22 im Unterkiefer. Davon im Oberkiefer 6 Schneidezähne, 2 Fangzähne, 12 Backenzähne und im Unterkiefer 6 Schneidezähne, 2 Fangzähne, 14 Backenzähne. Damit hat der Hund immerhin 10 Zähne mehr, als der Mensch und auch sonst gibt es einige Unterschiede zwischen dem menschlichen Gebiss und dem Gebiss eines Hundes: Beim Hundegebiss sind Eckzähne im Ober- und Unterkiefer (Fang- oder Hakenzähne) stark entwickelt. Die Backenzähne haben kleine Kauflächen und mehrere Spitzen, die kräftig genug sind, um auch Knochen zerkleinern zu können. Der größte Backenzahn im Oberkiefer wird auch Reißzahn genannt. Das Kiefergelenk lässt kaum seitliche Kaubewegungen zu. (Das hatten wir ja auch schon mal in dem Artikel „Selber kochen für den Hund“ kurz angesprochen und erläutert.)

Die Aufgaben der Hundezähne im Einzelnen

Die verschiedenen Zähne haben jeweils ihre Aufgaben, für die sie durch ihre jeweilige Form und Beschaffenheit als perfekte Werkzeuge geeignet sind: Die Fangzähne dienen bei der Jagd zum Greifen und Festhalten der Beute. Die vorderen, deutlich kleineren Backenzähne bilden eine Lücke, was ebenfalls zur besseren Möglichkeit des Festhaltens beiträgt. Die größten Backenzähne des Ober- und Unterkiefers, die Reißzähne, dienen zum Zerkleinern der Nahrung, zum 'Zerschneiden' größerer Fleischstücke. Die hinteren Backenzähne des Hundes können kleinere bis mittelgroße Knochen zerkleinern. Die kleinen, flachen Schneidezähne im Ober- und Unterkiefer ermöglichen es dem Hund Fleischreste von Knochen abzuschaben.

(Zum Vergrößern Foto einfach anklicken)

Weitere Artikel zum Thema Hundezähne:

Die Zahnpflege beim Hund ist ein wichtiges Thema, weil Zahnsteinbildung nicht nur schmerzhafte Zahnfleischentzündungen verursachen, sondern auch zu Herzkrankheiten beim Hund führen kann. Es hat also nichts mit Vermenschlichung zu tun, wenn man dem Hund die Zähne putzt, sondern dient der Gesunderhaltung des Hundes. Mehr dazu in den Links zur Zahnpflege. Ich hoffe, damit sind nun alle Fragen nach „Aufgaben der Hundezähne“, „Gebiss des Hundes“, „Hundegebiss“ usw. beantwortet?

Bis bald, euer Alex! (Alexander Bömbelmann ;o)

PS: Nochmal einen ganz lieben Dank an Walter, Ash & Lia für die freundliche Genehmigung zur Verwendung des tollen Fotos von Lias Zahnwechsel! :o)

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