Montag, 18. August 2008

Wolf und Hund - wie groß ist die Ähnlichkeit, wie ‘artgerecht‘ ist der Vergleich?

Anknüpfend an den Artikel zum Thema BARF / Barfen möchte ich heute noch mal auf einen Punkt zurückkommen, auf den wir in dem ersten Artikel noch nicht näher eingegangen sind, weil der Artikel sonst einfach zu lang geworden wäre. Heute kommen wir darauf zurück und möchten noch mal ein paar kritische Denkansätze dazu liefern.

Ein weiterer, ganz wesentlicher Punkt, der beim Vergleich mit dem Wolf und der Forderung nach „Artgerechtigkeit“ oft völlig außer acht gelassen wird:

Die Natur hat bei wild lebenden Raubtieren wie Wolf und Wildhund knallharte „Zuchtkriterien“: Härte / Robustheit und Instinktsicherheit. Überleben und sich fortpflanzen, können in der Natur nur die Tiere, die

1.) instinktsicher genug sind, (trotz Hungers) auch mal eine Mahlzeit zu verschmähen, die ihnen nicht bekommen würde

2.) die robust genug gegenüber Krankheitserregern sind.

Wer nicht hart genug ist, oder das falsche frisst, zahlt mit dem Leben - da ist die Natur recht gnadenlos und konsequent. An diesen natürlichen „Zuchtkriterien“ hat sich bei Wildtieren hat sich seit jeher bis heute nichts geändert. Das sieht bei unseren Haustieren allerdings ganz anders aus: Hier trifft der Mensch die Zuchtauslese - nach seinen Wünschen und Zwecken. Die Robustheit spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Die Ursprünglichkeit des Wildtiers ist auch eher unerwünscht, der Wolf wäre im Haushalt eben nicht so pflegeleicht und alltagstauglich wie der Hund. Er würde sich nicht so einfach unterordnen, sich nicht vom Kind den Knochen abnehmen lassen, nicht ganz selbstverständlich ins Auto oder die Straßenbahn einsteigen. Er würde auch keine Eindringlinge in seinem Territorium dulden, geschweige denn, sich von ihnen anfassen lassen. Er würde ganz sicher auch keinen Wesenstest bestehen.

Die Zuchtkriterien beim Haushund sind seit unzähligen Generationen auf verschiedene Eigenschaften angepasst, die dem Menschen nützlich sind (Jagdhunde, Schutzhunde, Hütehunde usw.). Wesens- & Gebrauchseigenschaften und vom Menschen definierte „Schönheitsideale“, stehen hier im Vordergrund. Die natürliche Auslese auf gesundheitliche Härte und Robustheit, im Sinne wie sie bei wild lebenden Wölfen oder den Wildhunden in Afrika stattfindet, gibt es beim Haustier Hund schon verdammt lange nicht mehr. Zwar bemühen sich inzwischen verschiedene Zuchtverbände glücklicherweise wieder darum, etwas mehr Augenmerk auf die Gesundheit zu legen, doch das ist definitiv nicht mit den Bedingungen in der Natur vergleichbar. Es gibt keine einzige Hunderasse, die auch nur annähernd so hart auf Robustheit selektiert worden wäre, wie es die Natur tut. Nicht einmal bei den Wölfen im Zoo oder Wildpark ist das der Fall. Auch diesen Aspekt sollte man bedenken, wenn man den Hund mit dem wild lebenden Wolf auf eine Stufe stellen will.

Die die Natur schert sich nicht um Farbschläge, „Farbfehler“, eine „hoch angesetzte Rute“ oder „Unterordnungsbereitschaft im Umgang mit dem Menschen“, so wie es Zuchtverbände tun. Die Natur setzt andere Maßstäbe - dort ist es wichtig, möglichst resistent gegen Krankheiten und anpassungsfähig gegenüber dem natürlichen Lebensraum zu sein. Wer diesem „Zuchtkriterium“ nicht entspricht, fliegt raus. Und zwar nicht nur aus der Zucht, sondern auch gleich aus dem Leben. Sicher ist sicher, scheint da die Devise der Natur zu sein. Im Gegensatz zum Menschen, hat die Natur an ihren „Zuchtkriterien“ auch bis heute nicht das geringste geändert. Wie „artgerecht“ ist es also überhaupt, den Hund von heute mit seinen wilden Vorfahren gleich setzen zu wollen?

Ohne Zweifel weist der Hund auch heute noch viele Ähnlichkeiten zu seinen wilden Verwandten auf. Manche Rassen sehen dem Wolf sogar noch relativ ähnlich - andere weniger bis gar nicht. Bestimmte Verhaltensweisen unserer Haushunde lassen deutliche Parallelen zum Wolf erkennen, andere weniger. Es ist daher sicher wichtig, den Wolf nicht ganz aus den Augen zu verlieren, und sich in gewisser Weise an den wilden Vorfahren des Hundes zu orientieren. Aber ich bezweifele dennoch sehr stark, dass man den Hund von heute aus ernährungsphysiologischer Sicht 1:1 mit dem Wolf vergleichen bzw. kurzerhand gleich setzen kann. Bei allen Veränderungen, die der Mensch nach seinen Wünschen über Jahrhunderte lange Zucht vorgenommen hat, ist wohl unbestritten auch einiges an Robustheit und Resistenz gegenüber verschiedener Krankheitserreger auf der Strecke geblieben. Das sollte man nicht vergessen.

Das wirft Fragen auf: Artgerecht? Was genau ist nun artgerecht? Wie genau definiert man das im Zusammenhang mit der Ernährung? Artgerecht für den Wolf? Artgerecht für den Hund? Ist das wirklich das Gleiche? Und wenn man darauf besteht es vergleichen zu wollen - wäre Fleisch aus Massentierhaltung dann artgerecht für Wolf und Hund? Würde der Wolf ein mit Genfood und Medikamenten turbogemästete Rinder und Hühner fressen? Würde der Hund - wenn er frei entscheiden könnte - lieber rohes Fleisch fressen und das Risiko einer Erkrankung in Kauf nehmen, oder würde er doch lieber seine Zweibeiner an den Herd schicken, um das Fleisch abzukochen und so das Krankheitsrisiko zu minimieren? Fragen, die jeder Hundehalter für sich (und seinen Hund) selbst beantworten muss...

Bis bald, euer Alex! (Alexander Bömbelmann ;o)

Kommentare:

  1. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass nachgewiesenermassen das Erhitzen bei der Zubereitung von Speisen die Konzentration karzinogener Stoffe erhöht!
    Da ich im Frühjahr gleich 2 Hunde an Krebs verloren habe, ist es mir deutlich lieber, meine Hunde hätten ab und zu Würmer gehabt (was übrigens keiner meiner Hunde je gehabt hat, auch keine Salmonellen und Co) als dass sie am Krebs sterben!

    VG
    Karina

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  2. Absolute empfehlenswerte Seite, die du hier hast!
    Viel Spass weiterhin beim Bloggen.

    Bist jetzt in meinen Favoriten und ich komme definitv wieder!

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  3. @ Karina:

    Das kann man so grundsätzlich nicht sagen. Durch zu starkes Erhitzen (wie z.B. beim Grillen, zu heiß frittieren, kross anbraten) erhöht sich die Konzentration der karzinogenen (krebserregenden) Stoffe. Nicht aber durch schonendes Garen. Scharf angeratenes, gegrilltes oder frittiertes Fleisch sollten für Hunde ohnehin Tabu sein. Bei einem simplen abkochen zum Abtöten der Bakterien erhöht sich die Konzentration der karzinogenen Stoffe nicht.

    Auch ist zu bedenken, dass sich die Konzentration dieser Stoffe nur dann erhöhen kann, wenn sie schon im Fleisch oder Gemüse drin sind. Darum empfiehlt es sich beim Einkauf schon darauf zu achten, dass die Zutaten möglichst wenig belastet sind. (Wieder ein Argument für gute Bio-Qualität)



    @ Marc: Freut mich, dass es dir hier gefällt! :o)

    LG Alex & Frauchen

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  4. Hi Karina,

    Zu der Frage warum Krebs inzwischen die häufigste Todesursache ist, stellen sich meiner Meinung nach noch viele weitere Fragen, auf die wir in
    diesem Artikel zur Hundefütterung noch mal näher eingegangen sind. Leider ist dieses Thema noch viel zu wenig erforscht, aber da gibt es einige Punkte, über die es sich unserer Meinung nach nachzudenken lohnt.

    LG Alex & Frauchen

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