Mittwoch, 16. Juli 2008

Hundeernährung: Hund = Fleischfresser? Irrtümer und Missverständnisse

Kaum ein Begriff wird von Hundebesitzern im Zusammenhang mit der Hundeernährung so häufig benutzt wie das Wort “Fleischfresser”. Allerdings weiß nicht jeder, der den Begriff benutzt auch tatsächlich, was es genau bedeutet. Und falsch verstanden und kann das zu fatalen Irrtümern führen: Würde man nämlich daraus ableiten, man könne einen Hund ausschließlich mit Fleisch ernähren, so würde er schnell am sogenannten “All Meat Syndrom” erkranken. Das All Meat Syndrom ist ein ernährungsbedingter sekundären Hyperparathyreoidismus (Regulationsstörung der Epithelkörperchen) mit Osteodystrophia Fibrosa (Stoffwechselerkrankung des Skelettsytems) bei Hunden und Katzen, resultierend aus hohem Phosphor- und niedrigen Calciumgehalt einer Ernährung, die hauptsächlich aus Fleisch besteht. Der „Fleischfresser“ kann also von zu viel Fleisch krank werden. Das dürfte den ein oder anderen überraschen, der diesen Begriff schon oft benutzt hat, um andere Hundehalter zu belehren.

Biologische Begriffdefinitionen - Verwechslungsgefahr

Als “Fleischfresser” (karnivore Tiere), bezeichnet man Tiere, die sich überwiegend von Fleisch ernähren. (Beispielsweise Katzenartige wie Großkatzen, Katzen usw.). Aber: **Der Begriff „Fleischfresser“ darf aber nicht mit der Ordnung Raubtiere (Carnivora) verwechselt werden, diese bilden einen Teil der fleischfressenden Tiere.** Verwirrend auch: nicht alle Raubtiere ernähren sich in erster Linie von Fleisch. So gehört Beispielsweise auch der große Panda in die Ordnung der Raubtiere (Carnivoren) - obwohl er ein reiner Pflanzenfresser ist.

Familie der Raubtiere / Überfamilie Hundeartige (Canoidea)
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Biologisch gehört der Hund zu den Raubtieren (Carnivoren) - genauer definiert in die Überfamilie der Hundeartigen (Canoidea). Dass der Hund sich in dieser Familie einen Platz mit seinem Vorfahren dem Wolf teilt, ist allgemein bekannt und wird oft zitiert. Dass er sich diesen Platz in der Familie der Canoidea (Hundeartigen) aber ebenso Beispielsweise auch mit dem großen Panda (einem reinen Pflanzenfresser) teilt, weiß dagegen kaum jemand. Auch der Panda hat den für Raubtier typischen kurzen Verdauungstrakt - dennoch hat er sich auf pflanzliche Kost umgestellt. Darüber hinaus teilt sich der Hund den Platz in der Familie der Hundeartigen neben Wolf und Panda auch mit „Allesfressern“ (Omnivoren, also Tiere, die sich sowohl von Fleisch als auch von pflanzlicher Kost ernähren) wie zum Beispiel Bär, Waschbär, Kleinbären, Ohrenrobben, Hundsrobben usw.)

Wissenschaftliche Definitionen

Recht interessant in diesem Zusammenhang: Wissenschaftlich anerkannte, scharfe Abgrenzungen von „Allesfressern“ (Omnivoren, also Tieren, die sich sowohl von Pflanzen als auch von Tieren ernähren), „Fleischfressern“ (Karnivoren) und „Pflanzenfressern“ (Herbivoren) gibt es übrigens gar nicht! Auch das weiß längst nicht jeder, der diese Begriffe benutzt. Vielleicht trägt auch das dazu bei, dass es immer wieder hitzige Diskussionen Missverständnisse um diese Begriffsdefinitionen gibt.

Die Ernährung des Hundes scheint immer noch zu wenig erforscht zu sein, um wirklich ganz genau und mit 100-Prozentiger Sicherheit sagen zu können, was für den Hund nun wirklich das Beste ist. Einigkeit unter den Wissenschaftlern herrscht lediglich darüber, dass die Ernährung ein ganz wesentlicher Gesundheitsfaktor ist. Über die Einzelheiten gehen die Meinungen jedoch teilweise auseinander. Sich über die Fütterung des Hundes Gedanken zu machen und schließlich nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden was in den Napf kommt - diese schwierige Aufgabe bleibt letztendlich jedem Hundehalter selbst überlassen. Wir werden uns daher hüten, jemanden zu einer bestimmten Art der Fütterung zu drängen oder ihn davon abzuhalten. Wenn nicht einmal die Wissenschaft in der Lage ist, hier ganz genaue und konkrete Angaben zu machen, sind wir es ganz sicher auch nicht. Darum wollen wir hier grundsätzlich nur Denkansätze liefern. Das Denken und die Entscheidung muss jeder Hundehalter selbst übernehmen.

Bis bald, euer Alex! (Alexander Bömbelmann ;o)


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