Dienstag, 10. Juni 2008

Hundeernährung: Brauchen alte Hunde spezielles Seniorenfutter?


Das Angebot spezieller Seniorenfutter für Hunde ist riesig. Angesichts dieser Auswahl fragen sich viele Hundebesitzer, ob die (meist etwas teureren) Spezialfutter für Hundesenioren überhaupt nötig sind. „Der alte Wolf frisst ja schließlich auch in der Natur auch noch das gleiche, wie der junge Wolf.“, argumentieren einige Hundehalter. Das ist zwar im Prinzip soweit richtig, aber wie so oft hinkt der Vergleich mit dem Wolf in der Natur: Die Nahrung des Wolfs in der Natur ist stets frisch und wird nicht (wie bei vielen Fertigfuttern für Hunde leider üblich) mit minderwertigen Zutaten gestreckt. Das ist schon mal der erste ganz entscheidende Unterschied, der einen direkten Vergleich eigentlich unmöglich macht.

Beispiel Eiweiß / Proteine


Gerade im Alter baut der Hund Muskulatur ab, doch die Muskulatur ist gerade im Alter wichtig, um – vereinfacht ausgedrückt - die Knochen des Hundes zu stützen. Darum benötigt gerade ein alter Hund hochwertiges Eiweiß, das heißt Eiweiß, welches vom Körper gut verarbeitet werden kann und dabei möglichst wenig Abfallstoffe produziert. Hoch verdauliches Eiweiß ist zum Beispiel Muskeleiweiß (Fleisch oder Fisch), Ei oder Milcheiweiß. Der Wolf nimmt sein Leben lang viel hoch verdauliches Eiweiß (Muskelfleisch) auf. Somit wird er auch im Alter mit hoch verdaulichem Eiweiß versorgt. Um dem altersbedingten Muskelabbau entgegen zu wirken, benötigen auch ältere Hunde, wie schon erwähnt, ebenfalls hoch verdauliches Eiweiß. In vielen herkömmlichen Fertigfuttern ist davon jedoch nur wenig enthalten. Wir hatten ja hier bei unserem Hundefuttertest bzw. Hundefuttervergleich schon einmal etwas genauer auf die Liste der Zutaten geschaut. Das erschreckende Ergebnis: Das getestete Hundefutter, das von der Werbung (und seltsamerweise auch von vielen Hundebesitzern im Internet) so hochgelobt wird, enthielt gerade mal 4% Fleisch – bei einer 400g Dose sind das gerade mal 16 Gramm! (Zum Vergleich: Ein Esslöffel Honig wiegt 15 Gramm, eine einzige Scheibe Schinken wiegt schon mehr, nämlich ca. 20 g). Von viel hoch verdaulichem Eiweiß in dem hoch gelobten Hundefutter kann da wohl keine Rede sein. (Zwar war die von uns getestete Sorte war auch kein spezielles Seniorenfutter, aber beim Seniorenfutter von der gleichen Firma sah es - abgesehen davon, dass es viel teurer war - auch nicht viel besser aus.)


Beispiel Rohfaser


Um die Darmtätigkeit des älteren Hundes anzuregen, sollte auch ein höherer Gehalt an Rohfaser (Ballaststoffen) im Seniorenfutter enthalten sein. Experten empfehlen einen Gehalt von mindestens 2% Rohfaser für die Ernährung des Hundeseniors. Dies gewährleistet zum einen eine gute Kot-Konsistenz, und hat den Vorteil, dass der Hund etwas mehr fressen darf, weil Rohfaser einen niedrigen Energiegehalt aufweist. Die meisten Hunde benötigen im Alter weniger Energie, weil sie in der Regel ruhiger werden und sich weniger bewegen. Um also zu verhindern, dass der Hund im Alter zunimmt, sollte der Energiegehalt des Futters gesenkt werden. Allerdings darf man dies nicht verallgemeinern: Hunde, die auch im Alter noch sehr aktiv sind und sich noch viel bewegen, benötigen auch weiterhin viel Energie. Ob der Energiebedarf des Hundes sinkt, lässt sich sehr einfach feststellen, indem man das Gewicht und die Figur des Hundes beobachtet: Nimmt der Hund bei gleich bleibender Fütterung zu, ist sein Energiebedarf gesunken und die Energiezufuhr sollte gesenkt werden.


Vitaminbedarf des alten Hundes


Da man nach heutigem Stand der Wissenschaft davon ausgeht, dass Vitamine beim alten Hund schlechter vom Körper aufgenommen werden, sollte auch der Vitamingehalt des Seniorfutters erhöht sein. Besonders die Gehalt der verschiedenen B-Vitaminen und an Vitamin E (unter anderem wichtig für den Zellschutz) sollten im Seniorfutter erhöht sein. Eine Überdosierung von Vitamin A ist dagegen zu vermeiden.


Zu viel kann auch schaden


Es ist zwar wichtig, dem Hundesenior ausreichend gutes und hoch verdauliches zu füttern, eine Überversorgung sollte jedoch vermieden werden, weil zu viel Eiweiß die Nieren belasten, deren Leistung beim älteren Hund in der Regel etwas nachlässt. Man sollte darauf achten, dass der Rohproteingehalt nicht höher liegt als etwa 20-22%. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass auch eine übermäßige Phosphorversorgung zu vermeiden ist. Bei einer Überversorgung mit Phosphor kann es zu einer Ablagerung von Kristallen in den Nieren des Hundes kommen. Daher sollte der Hund nicht mehr als 75 mg / kg Körpergewicht aufnehmen. Ebenfalls zu vermeiden ist eine Überversorgung mit Natrium, Kalium und Chlorid und auch der Rohascheanteil (enthält alle Mineralstoffe) sollte nicht zu hoch sein, da sie die im Alter ohnehin schon weniger gebildete Magensäure neutralisieren. Dies würde dazu führen, dass die Magensäure ihre eigentliche Aufgabe – nämlich Nährstoffe zu verdauen – nicht mehr richtig erfüllen kann. Wir wollen es hier aber nicht zu kompliziert werden lassen und nicht auf die verschiedenen Auswirkungen jedes einzelnen Nährstoffs eingehen.


Der Energiebedarf des alten Hundes


Mit zunehmendem Alter des Hundes beginnt der Stoffwechsel langsamer zu arbeiten. Gleichzeitig nimmt die körperliche Aktivität bei älteren Hunden in der Regel ab. Ein älterer Hund rennt und tobt in der Regel eben nicht mehr ganz so viel, wie ein junger Hund. Dadurch sinkt auch der Energiebedarf des älteren Hundes und man muss darauf achten, dass er kein Übergewicht ansetzt. Aber: Bei sehr alten Hunden, kann sich der Energiebedarf auch wiederum erhöhen! Auch andere Faktoren, wie Beispielsweise der Fellwechsel können hier eine Rolle spielen. Bei älteren Hunden und besonders bei Rassen, die langes Fell oder eine dichte Unterwolle haben, kann sich der Energiebedarf in der Fellwechselzeit ebenfalls stark erhöhen. (Mehr dazu auch in dem Artikel "Fellwechsel beim Hund". Es ist also immer darauf zu achten, dass der Hundweder zu dick, noch zu dünn wird. Nimmt der Hund ab, so sollte die Futter-Ration also ruhig wieder etwas erhöht werden.


Was denn nun: Spezielles Seniorenfutter - ja oder nein?


Jein! Zwar sollte die Ernährung auf die speziellen Bedürfnisse des Hundesseniors angepasst werden, aber das ist nicht mit jedem Seniorenfutter gewährleistet. Kommen wir an dieser Stelle nochmal kurz auf den hinkenden Vergleich mit dem Wolf zurück: Ja, der Wolf kommt ohne spezielle Seniorenkost aus. Allerdings sollten wir hierbei nicht vergessen, dass die Ernährung des Wolfs in freier Natur aus frischen Bestandteilen besteht, und seine Beutetiere nicht mit den Tieren vergleichbar sind, die in der heute leider üblichen Massentierhaltung mit allen zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln möglichst schnell auf ein möglichst hohes Schlachtgewicht gemästet werden. Auch das macht sicherlich einen großen Unterschied aus. In der Regel hat der Mensch nun mal das Bedürfnis seinen geliebten Hund möglichst lange fit und gesund zu halten, daher sollten auch die speziellen Nahrungsbedürfnisse des älteren Hundes in der Hundeernährung berücksichtigt werden. Allerdings ist nicht jedes Futter auf dem "Seniorenfutter" drauf steht, auch wirklich ideal dür den Hundesenior. Unter Umständen kann sogar ein Futter, das nicht ausdrücklich als Seniorenfutter deklariert ist wesentlich geeigneter für den Hundesenior sein, als manches Seniorenfutter. Leider kann man sich eben auf die Werbeversprechen der Futterhersteller nicht immer verlassen. Daher kann allein der Griff zum Hundefutter mit der Aufschrift „Senior“ wohl nicht garantieren, dass der Hund auch wirklich optimal gefüttert wird.


Kommen wir an dieser Stelle nochmal auf den hinkenden Vergleich mit dem Wolf zurück: Ja, der Wolf kommt ohne spezielle Seniorenkost aus. Allerdings sollten wir hierbei nicht vergessen, dass die Ernährung des Wolfs in freier Natur aus frischen Bestandteilen besteht, und seine Beutetiere nicht mit den Tieren vergleichbar sind, die in der heute leider üblichen Massentierhaltung mit allen zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln möglichst schnell auf ein möglichst hohes Schlachtgewicht gemästet werden. Auch das macht sicherlich einen großen Unterschied aus. Ferner ist bei Wildtieren in aller Regel der Instinkt das zu fressen, was der Körper tatsächlich braucht noch deutlicher ausgeprägt. So sind Wölfe in der Natur in der Lage ihren Futter selbst ein wenig dem Bedarf anzupassen. Wild lebende Tiere fressen meist schon instinktiv das Richtige - der Hund dagegen, muss fressen was in den Napf kommt. Somit ist der Hund darauf angewiesen, dass sich seine Zweibeiner Gedanken um die optimale Ernährung machen und die Ernährung so optimal wie möglich gestalten.


Es kommt erschwerend hinzu, dass jeder Hund in seinen Bedürfnissen verschieden ist. Die Aktivität des Hundes, eventuelle Erkrankungen und viele andere Faktoren führen zu starken Schwankungen im Nährstoff bedarf des einzelnen Hundes. Es ist daher unmöglich zu sagen: „Füttern sie einem 10-jährigen Hund 2 Dosen davon, einem elfjährigen Hund 1,5 Dosen davon“ usw. Es kann nur dazu geraten werden, den Hund genau zu beobachten und regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen (auch ohne konkreten Krankheitsverdacht!) beim Tierarzt vorzustellen.


Denn - in aller Fachliteratur, die wir bisher zum Thema Hundefütterung verschlungen haben (und das ist eine Menge ;o) waren sich alle Experten für Hundeernährung einig: Die Ernährung des Hundes ist ein ganz entscheidender Gesundheitsfaktor! Sie kann Krankheiten vorbeugen und sogar zur Heilung oder Besserung von Krankheiten beitragen, wenn sie optimal zusammengesetzt & auf den jeweiligen Bedarf des Hundes angepasst ist, aber sie kann auch krank machen, wenn sie fehlerhaft ist. Darum sollten sich Hundebesitzer schon Gedanken um die Ernährung (nicht nur bei Hundesenioren) machen.


Zugegeben: Der Gedanke, das Problem durch den Griff zur Futterdose mit der Aufschrift "Senior" lösen zu können, klingt verlockend einfach - doch ganz so einfach ist es leider nicht.


Bleibt gesund, euer Alex! (Alexander Bömbelmann ;o)


Weitere Artikel zum Thema Hundefutter / Hundefütterung / Hundeernährung folgen bald. Schaut einfach immer mal wieder rein und wählt entweder in der Rubrikenauswahl die Rubrik Hundeernährung, oder nutzt eifach das Suchfeld rechts in der Sidebar.

1 Kommentar:

  1. Sehr informativer Artikel, so wie alle Artikel auf dieser Seite!

    AntwortenLöschen

Related Posts with Thumbnails