Dienstag, 20. Mai 2008

Schweiz: Wer einen Hund haben will, muss erst eine Ausbildung machen


Die Schweizer sind uns mal wieder um Einiges Voraus. Darüber, dass der Tierschutz dort einen wesentlich höheren Stellenwert hat als hier bei uns, hatte ich ja schon mehrmals berichtet. Nun zeigen uns die Schweizer einmal mehr, dass neue Gesetze durchaus sinnvoll sein können: Im September tritt das neue Schweizer Tierschutzgesetz in Kraft, mit dem sich die Vorschriften für Tierhalter noch einmal verschärfen. So müssen angehende Hundebesitzer künftig vor der Anschaffung eines Hundes eine theoretische Ausbildung absolvieren, damit sie über die Bedürfnisse eines Hundes informiert sind und die Sprache des Hundes verstehen. Nach dem Erwerb des Hundes ist dannsofort ein eintägiges praktisches Training für Hund & Hundebesitzer Vorschrift, in dem verschiedene Alltagssituationen geübt werden. Liebe Schweizer, ihr seid echt klasse! Dies ist so ziemlich das sinnvollste Gesetz, von dem ich je gehört habe. Die Sache mit der Steuerfreiheit für erzogene Hunde fand ich schon toll, ebenso wie die Vorreiterolle mit dem Anwalt der Tiere, der sich schon seit 1992 darum kümmert, dass die vorbildlichen Schweizer Tierschutzgesetze auch eingehalten werden. Schade, dass unseren Politikern nicht solche intelligenten Gesetze einfallen! (Die verschwenden ihre Energie ja lieber für das Ausbrüten völlig unsinniger Hundeverordungen, die niemandem helfen, sondern nur schaden - meine Meinung.)

Aber die Schweizer haben nicht nur an Hunde gedacht, die Vorschriften werden in fast allen Bereichen der Tierhaltung deutlich verschärft: Meerschweinchen, Wellensittich & Co. haben künftig von Gesetzets Wegen das Recht auf einen Partner. Einzelhaltung verboten, Basta!

Katzen müssen täglichen Umgang oder mindestens Sichtkontakt zu anderen Katzen haben. Auch ist eine Mindestgröße an Platz vorgeschrieben, sowie Ruheflächen, Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten. Pferde, Schafe & Ziegen muss bald mindestens der Blickkontakt zu Artgenossen gewährt werden und sie dürfen nicht mehr angebunden gehalten werden. Für Fische ist die Wasserqualität vorgeschrieben, Kälber müssen in Gruppen gehalten werden usw. (Inforamtionsquelle: RTL Videotext)

Wir sagen: TOP, TOP, TOP, liebe Schweizer!
Auch wenn der Blickkontakt allein für Herdentiere wie Pferde sicher immer noch nicht das Optimum ist - immerhin macht ihr euch Gedanken und ganz große Schritte in die richtige Richtung! Noch schöner wäre es zwar, wenn man solche Gesetze gar nicht erst bräuchte, weil die Menschen vernünftig genug wären, sich freiwillig vor der Anschaffung eines Haustieres über dessen Bedürfnisse zu informieren und sie artgerecht zu halten. Die Realität zeigt uns ja aber leider immer wieder, dass dies Wunschdenken ist und solche Gesetze leider in jedem Land bitter nötig wären... Ich hätte da übrigens auch noch eine Idee für einen neuen Gesetzentwurf: Könnte man nicht vorschreiben, dass jeder, der hier Politiker werden will, erstmal bei euch Schweizern in die Lehre geht, damit er auch lernt, wie man sinnvolle Gesetze erlässt? Das wär doch mal was...

Bis bald, euer Alex! (Alexander Bömbelmann ;o)

PS: Ähnlich strenge Vorschriften für die Tierhaltung gibt es übrigens auch in Schweden, wie wir ja hier schon einmal berichtet hatten.

Kommentare:

  1. Emils Frauchen21. Mai 2008 um 00:30

    Klasse Idee!
    Hoffen wir mal, dass die Schweiz mit gutem Beispiel vorangeht und auch das Personal hat um das Gesetz umzusetzen.
    Daran hapert es nämlich oft.

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  2. Einfach super, diese Schweizer!
    Im Gespräch mit so manchem Hundefreund sind wir selber schon auf derartige Ideen gekommen, aber dass das mal ein Land durchsetzt ist ja schon fast zu schön um wahr zu sein! RESPEKT!

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  3. Ich bin schon ganz guter Dinge, dass die Sache auch überprüft wird. Schließlich sind die Tieranwälte in der Schweiz ja auch schon seit 1992 erfolgreich im Einsatz. Sicher wird es kaum möglich sein jeden Einzelfall zu überprüfen, aber der Ansatz ist auf jeden Fall schon mal sehr gut.

    Hierzulande werde ich ehrlich gesagt dass Gefühl nicht los, dass man mehr dafür tut, die miesen Zustände (zum Beispeil in der Massentierhaltung) zu vertuschen, als sie zu ändern. Ein ganz aktuelles Beispiel dafür: Hühnerhaltung. Statt die Zustände zu verbessern, hat man das hässliche Wort "Legebatterien" einfach durch den klangvollen Namen "Kleingruppenhaltung" ersetzt. Damit hat der Verbraucher wieder ein gutes Gewissen, und das Bild glücklich scharrender Hühner auf einem idyllischen Bauernhof vor Augen. Die Realität sieht leider ganz anders aus - verbessert hat sich dadurch für die Käfighennen rein gar nichts. Sie haben weder mehr Platz, noch würdige Lebensbedingungen. Sie stecken nur mit mehreren Tieren zusammengefercht auf engstem Raum in winzigen Käfigen.

    Solche Gesetzesänderungen, (die ja bei uns leider keine Seltenheit sind), sind in meinen Augen wirklich absolut rückschrittlich. Vertane Zeit & vergeudete Steuergelder. Da scheinen mir die Gesetzesänderungen der Schweizer deutlich intelligenter.

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  4. Ja ja, immer stehen wir Schweizer nicht an letzter Stelle in Europa... Natürlich freut es mich und meine Familie auch, dass man genauer hinschaut, wem man einen Vierbeiner anvertraut und dass der dann auch mit unseren Bedürfnissen umzugehen vermag. Ich kann euch sagen, als ehemaliger Deutscher mit Wurzeln in Österreich und Schweizerpass fühle ich mich bei den Eidgenossen sauwohl.
    Liebe Grüsse
    Dajosch, mit vor Stoz "geschwellter" Schweizerbrust

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  5. Hi Claudia & Dajosch,

    in manchen Dingen ist ja es gar nicht schlecht an letzter Stelle zu stehen, aber in solchen Dingen habt ihr Schwizerlis echt die Nase vorn. Hut ab! Ich sag's ja - man sollte unsere Politiker vielleicht mal bei euch in die Lehre schicken... ;o)

    LG Alex

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  6. fabian (bio-tierkost)23. Mai 2008 um 10:50

    Großes Lob an den Nachbarn!
    Vielleicht sollte man seinen Lebensmittelpunkt verlagern, damit man die Steuern denen zufließen, die es verdienen. Vielleicht sollte man aber zumindest seinen Urlaub dort verbringen. Ein Skiurlaub wäre doch eine tolle Möglichkeit, um sein Geld in der Schweiz zu lassen :)

    Hoffe das ist in Ordnung:

    Liebe Tierfreunde,
    unterstützt bitte auch

    - Petition gegen Legalisierung von Hundefleisch in Korea
    Hier ist unsere Petitionsite
    http://www.thepetitionsite.com/2/save-dogs-in-korea

    -Protestaktion des Deutschen Tierschutzbundes gegen betäubungslose
    Ferkelkastration.

    Möchten/möchtest auch Sie/Du mithelfen, diese qualvolle Praxis zu beenden?

    Dann bitte auf www.ferkelprotest.de gehen.

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  7. Ich bin schon lange der Meinung, dass vor Anschaffung eines Hundes Mindestkenntnisse über die Bedürfnisse der Tiere und den Umgang mit ihnen geprüft werden müssen!

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  8. @ Andreas: Wem sagst du das... Es wäre für alle Beteiligten das Beste und würde ganz bestimmt nicht zur Sicherheit von Mensch und Tier beitragen, sondern auch dazu, dass so mancher völlig unüberlegte Hundekauf verhindert werden könnte und den Hunden viel Leid erspart bliebe.

    Schade, dass unsere Politiker offenbar nicht so weit denken können oder wollen...

    @ Fabian: Danke für die Links, werde ich auch auf der Tierschutzseite nochmal aufnehmen.

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  9. Ich finde diese Idee auch klasse. Wenn unsere Politiker in Deutschland auch dagegen was unternehmen würden hätten wir es hier auch nicht so schwer. Es ist einfach grausam wie manche mit den Tieren umgehen. Mann muss halt neue Gesetze entwerfen und Gesellschaft muss mitspielen.

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