Dienstag, 27. Mai 2008

Geklonte Hunde - Hintergründe, Details & Gedanken....


"Würdet ihr eure Hunde klonen lassen?", wollten Walter und Ash hier wissen. Unsere Antwort lautet ganz entschieden: NEIN! Und wir können es nicht lassen, hier auch nochmal unseren Senf dazu abzugeben. ;o) Aber der Reihe nach: Versuche, in denen Tiere geklont wurden, laufen ja nun schon eine ganze Weile. Nach dem geklonten Schaf 'Dolly' hat der Mensch offenbar gefallen am 'Dr. Frankenstein-Spiel' gefunden, und klonte fröhlich weiter: Hasen, Katzen, Kühe, Ziegen, Pferde, Hunde, alles was sich eben so klonen lässt. Selbst vor menschlichen Embryos macht man nicht halt. Britische Forscher sollen sich auch daran schon versucht, und die ersten Babys geklont haben, wie hier und in vielen anderen Quellen zu lesen ist. Der Preis für einen (menschlichen) Embryo aus dem Tiefkühlfach soll damals bei 2500 Euro gelegen haben. (Quelle: Krone.at)

Immerhin - wenn es um das Klonen menschlichen Lebens geht, stellten sich wenigstens noch einige Menschen die Frage nach der Ethik, bei den Tieren leider nicht. Da bastelt man einfach fröhlich drauflos. So wurde der Öffentlichkeit 2005 der erste geklonte Hund präsentiert: Der Afghanenrüde 'Snuppy'. In einem Bericht von Innovations-Report schrieb man damals über das Experiment mit dem Hundeklon:
"Die Schaffung des Afghanen gestaltete sich nicht einfach. Das Team sammelte 1.095 Eizellen die die DNA eines drei Jahre alten männlichen Afghanen enthielten und transferierte sie in 123 Ersatzmütter. In der Folge kam es zu drei Schwangerschaften. Eine endete mit einer Missgeburt, zwei wurden voll ausgetragen. Einer der Klone starb im Alter von 22 Tagen an einer Lungenentzündung. Der Mitautor Gerald Schatten von der University of Pittsburgh School of Medicine warnte, dass es nicht darum gehe, Haustiere zu klonen. "Wir führen den Kerntransfer für die medizinische Forschung durch."
Aha - 123 Ersatzmütter, Missgeburten, Todesfälle - ein bisschen "Verschnitt" ist wohl immer. Dafür gibt es ja das Leben demnächst sozusagen im praktischen Nachfüllpack. Und es ging natürlich nur um die medizinische Forschung, nicht um das klonen von Haustieren - alles klar. Nun drängt sich allerdings der Verdacht auf, dass bei all der Forschung das eventuell Gedächtnis der "Wissenschaftler" ein wenig leiden könnte. Denn: Nur ein Jahr nachdem man die ach so "ehrenwerten" Motive noch so ausdrücklich betont hatte, soll BioArts-Chef Lou Hawthorne zahlungskräftiger Kundschaft schon angeboten haben, gegen gute Bezahlung Katzen zu klonen, wie Focus hier berichtet. Der Plan ging allerdings nicht auf, das Interesse war zu gering. Aber man ist ja flexibel: Jetzt werden eben geklonte Hunde angeboten. Für 100 000 Dollar können zahlungskräftige Kunden ihren Hund klonen lassen, wenn er mal nicht mehr ist. Per Online-Auktion sollen die Klone dann verschachert werden.Ganz nebenbei sei noch ein pikantes Detail erwähnt: BioArts-Chef Lou Hawthorne arbeitet mit dem südkoreanischen Wissenschaftler Hwang Woo Suk und dessen Team. Hwang Woo Suk war 2005 vor allem dadurch bekannt geworden, dass er eine komplett gefälschte Studie über Stammzellenforschung veröffentlichte, wie Focus hier berichtete. Offenbar nimmt es der ehrenwerte Forscher mit der Wahrheit wohl nicht so genau. Ach ja, dann ist da noch was, das mir seltsam vorkommt: Hwang hat bereits Hawthornes Hündin „Missy“ geklont, die 2002 verstorben war. (Huch? 2002 verstorben? Und da hat man schon das benötigte Genmaterial zurück gelegt? Obwohl es doch 2005 bei 'Snuppy' (den ja auch Hwang Woo Suk "geschaffen" hat) noch großartig beteuert wurde: "Nein, nein, wir wollen keine Haustiere klonen, das geschieht alles nur im Dienste der medizinischen Forschung???") Seltsam... Ach ja, Hawthorne lässt es sich natürlich auch nicht nehmen darüber zu berichten, wie sehr die geklonten Welpen seiner verstorbenen Hündin doch angeblich ähneln. Zitat aus dem Bericht des Focus:
"Die drei Welpen hätten ähnliche Charakterzüge und Vorlieben wie „Missy“, sagte Hawthorne. So fräßen sie beispielsweise gerne gedünsteten Broccoli."

Na, dann scheint sich der Aufwand & die Tierquälerei des "Verschnitts" ja richtig gelohnt zu haben, Herr Hawthorne! :o( Und jetzt verrate ich Ihnen mal was: Ich bin in einem Reitstall mit einem Schäferhund, einer Hovawart-Hündin, 2 Mischlingen und einer ganzen Horde Jack Russels groß geworden. Und stellen sie sich vor - wir haben alle sehr gerne Möhren gefressen. Dabei waren wir ganz bestimmt nicht geklont! Und gedünsteten Brokkoli mag ich als ungeklonter Hund übrigens auch. Wenn Sie das als 'Charakterzug' bezeichnen, dann müssen Sie mir als Hund die Fragen gestatten: Wissen Sie vielleicht nicht allzuviel über Charakter, Mr. Hawthorne? Kennen Sie sich vielleicht nicht damit aus, weil Sie vielleicht selbst nicht so viel davon haben? Man wird ja mal höflich fragen dürfen...

Die ersten geklonten Hunde sollen übrigens schon Nachkommen haben, wie hier zu lesen ist. Da immer wieder das angebliche Motiv der 'medizinischen Forschung' vorgeschoben wird, scheint der Wahnsinn wohl nicht mehr aufzuhalten zu sein. Was bei Dr. Frankenstein und Jurassic Park noch ganz amüsant schien, ist heute - da Realität - gruseliger denn je! Das Leben als "Nachfüllpack"? Der Klon aus dem Tiefkühlfach? Nein Danke! Es ist wohl ein weiterer Schritt in die Richtung, den Respekt vor der Einzigartigkeit des Lebewesens zu verlieren. Mein Frauchen weiß heute schon, dass sie nie wieder einen so tollen Hund wie mich haben wird. Ich bin eben einzigartig, und das kann man nicht kopieren. Es sind gemeinsame Erlebnisse, die kleinen Dinge des Alltags, die das Verhältnis in jeder Mensch / Hund Beziehung so einzigartig und besonders machen. Und das kann (zum Glück!) kein Labor der Welt herstellen. Unsterblich wird weder Mensch noch Hund oder Katz dadurch, dass man im Labor seine Gene klont - wirklich unsterblich wird man dadurch, dass man in den Herzen, die man im Laufe seines Lebens erobert hat, auf ewig weiter lebt.

Bis bald, euer Alex! (Alexander Bömbelmann, der auch ohne die modernen Frankensteins unsterblich ist. ;o)

Kommentare:

  1. Ich antworte mal mit einem Link zu Youtube: http://youtube.com/watch?v=BMkjoQ6S7oQ
    Das fiel mir als erstes dazu ein ;)
    Ansonsten muss ich dir recht geben!
    Zu mal ich es eh für sinnvoller halten würde, wenn die Forscher sich mehr auf zB den Regenwald, der immer mehr zustört wird, konzentrieren würden und nach pflanzlichen Heilmittel suchen würden, die es in ein paar Jahrzehnten vllt gar nicht mehr gibt, wenn der Mensch alles zustört hat...

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  2. Sehr guter Denkansatz, Polly Oliver!

    Ich frage mich auch immer, warum man Lebewesen Clonen und den Mars erkunden muss, aber nichtmal in der Lage ist einen Kraftstoff zu erfinden, der die Umwelt nicht kaputt macht? Da kommt man "ganz innovativ" mit Bio-Treibstoff daher. Na toll! Obwohl doch eigentlich jedem, der auch nur ein bisschen logisch denken kann, klar sein muss, dass dadurch langfristig gesehen die Umwelt noch viel mehr zerstört wird!? Ich verstehe auch nicht, warum sich die Forschung nicht mehr auf Bereiche konzentriert, die uns wirklich helfen würden...

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