Dienstag, 22. April 2008

Der Tod als “Kunst”? Oder einfach nur auffallen um jeden Preis?

Kunst ist nicht immer für jeden nachvollziehbar. Soweit sich das auf ein paar Farbkleckse auf einer Leinwand bezieht, ist dies auch nicht weiter schlimm. Sie schaden niemanden. Der eine bewundert sie, der andere schüttelt verständnislos mit dem Kopf. Soweit so gut - niemand nimmt Schaden. Allerdings scheint sich jetzt das Geschäft mit dem Tot unter so genannten “Künstlern” zu einer Art Trend zu entwickeln. “Im Namen der Kunst” zu töten, oder zumindest einen sterbenden öffentlich zur Schau zu stellen, ist offensichtlich zu einem Mittel geworden, dessen sich nach Aufmerksamkeit lechzende "Künstler" bedienen. Begonnen hatte (soweit ich weiß) alles mit dem sich als “Künstler” bezeichnenden Ungarn Zoltan Toepler (Pseudonym Nicolaus Myslicki), der vor laufender Kamera eine junge Katze ertränkte. Nein, er wurde dafür nicht - wie man eigentlich meinen sollte - bestraft, er wurde dafür mit einem Filmpreis ausgezeichnet! (Quelle)

Wenig später dann, (motiviert von diesem Beispiel?) kettete der aus Costa Rica stammende Guillermo Vargas einen Hund an, ließ ihn qualvoll verhungern und verdursten und deklarierte das dann als “Kunst”. (Wir hatten hier ja schon im Oktober 2007 darüber berichtet.) Da wundert es uns eigentlich nicht, dass nun der nächste “Künstler” auf sich aufmerksam machen will, indem er einen sterbenden Menschen öffentlich zur Schau stellen will. Der Mönchengladbacher Gregor Schneider beabsichtigt dies zu tun, wie gestern einem TV-Interview zu entnehmen war und heute in der Rheinischen Post berichtet wird. Immerhin - er will “im Namen der Kunst” nicht aktiv töten, sondern “nur” einen sterbenden Menschen öffentlich zur Schau stellen. Und: immerhin könnte der sterbende selbst frei entschieden, ob er zum Mittelpunkt der fragwürdigen "Kunstaktion" werden möchte. Das unterscheidet Schneider von den Tiermördern Zoltan Toepler und Guillermo Vargas - deren "Kunstobjekte" konnten nicht frei entscheiden, ob sie "im Namen der Kunst" auf grausamste Weise getötet werden.

Für mich beweist das eigentlich nur einmal mehr, dass sich die Art und Weise, wie der Mensch mit Tieren umgeht, kurze Zeit später auch darin widerspiegelt, wie er mit Menschen umgeht. Schon eine indianische Weisheit (Häuptling Sitting Bull) besagt: “Alles, was den Tieren widerfährt, wird auch dem Menschen widerfahren”. Mahatma Ghandi formulierte es ebenfalls sehr treffend mit den Worten: "Die Größe einer Nation und ihr moralischer Fortschritt kann daran gemessen werden, wie sie mit ihren Tieren umgeht." Wie Recht sie damit haben, scheint hier deutlich zu werden. Wenn dem Menschen das Leben und die Würde eines Tieres nichts mehr Wert sind, sinkt ganz offensichtlich auch der Respekt vor der Würde des Menschen. Und gäbe es kein Gesetz, dass das Ermorden eines Menschen verböte, würde ich wetten, dass dies die nächste "Kunstaktion" wäre, mit der ein "Künstler" das Medieninteresse auf sich lenken und zur gnadenlosen Selbstdarstellung nutzen würde. Wann wird der Mensch endlich begreifen, dass Tierschutz auch praktizierter Menschenschutz ist? Hätte man bei den als "Kunst" deklarierten Tiermorden von Toepler und Vargas schon eingegriffen, so müsste man sich wahrscheinlich heute gar nicht über Schneiders Idee empören.

Verständnislose Grüße - heute mal nicht vom Alex, sondern von Alex' Frauchen.

PS: Zur Erinnerung hier nochmal der Link zur Online-Petition gegen die "Kunstaktion" von Guillermo Vargas, der eine weitere "Aktion" dieser Art planen soll, wie berichtet wurde. Wer würdevoller mit dem Tod eines Tieres umzugehen weiß, dem kann ich übrigens diese Seite empfehlen, die über die verschiedenen Möglichkeiten einer würdevollen Tierbestattung informiert.


Kommentare:

  1. Hallo Lydia, als ich vor einigen Tagen auf den Artikel aufmerksam wurde, war ich genauso entsetzt und angeekelt wie Du. Ich bin überzeugt, dass die Aktion von Vargas (Habacuc) nur der Publicity diente. Er hat nach der Aktion Morddrohungen erhalten. Der Galerie-Direktor hat in einem Interview bestätigt, dass man den Hund alle 3 Stunden gefüttert hat. Der ungarische Filmemacher ist in meinen Augen ein Schwein. Die Aktion des Künstlers Schneider (der mir völlig unbekannt ist) ist ein Hilfeschrei. Er will mit einem Leichnam - ebenso wie wir mit Fotos von gequälten und toten Tiere - auf die unmenschlichen Missstände hinweisen. Ich kann Dir versichern, dass kein deutsches Museum eine menschenverachtende Performance zulassen würde.
    Liebe Grüße, Brigitte

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Brigitte,

    wenn man die Fotos von dem Hund sieht, kann man nicht glauben, dass er gefüttert wurde. Ich halte das eher für eine Schutzbehauptung des Galerie-Direktors. Der Hund zeigte schon auf den Fotos überdeutliche Anzeichen der von Dehydration und Abmagerung. Nachdem Tierschützer von der perversen "Kunstaktion" erfahren hatten und Sturm gelaufen sind, wurde plötzlich behauptet, man habe den Hund gar nicht verhungern lassen, er würde noch leben. Den Beweis dafür ist man allerdings bis heute schulig geblieben. Der Hund wurde nie mehr gesehen.

    Die "Idee" des Gregor Schneider einen sterbenden Menschen vor Publikun auszustellen sorgt jetzt in der Öffentlichkeit für Aufsehen und Entsetzten. Auch in meinen Augen ist das Pietätlos und Geschmacklos. (Egal welche Motive man dafür vorschiebt.) Aber immerhin würde - wenn es je dazu käme - sein "Kunstobjekt" freiwillig daran teilnehmen. Die von Toepler und Vargas zu Tode gequälten Tiere hatten keine Chance das zu entscheiden.

    Wenn sowas als "Kunst" anerkannt wird, dann muss man sich nicht wundern. Dagegen ist die Idee von Gregor Schneider ja fast schon als "ehrenhaft" zu bezeichnen. (Auch wenn ich persönlich sie für würdelos und widerlich halte.)

    LG Alex' Frauchen

    AntwortenLöschen
  3. Den Tod sollte man mit respekt behandeln egal ob es mensch oder Tier ist....... RIESEN SCHWEINEREI!!!!!!!!!!

    AntwortenLöschen

Related Posts with Thumbnails