Mittwoch, 26. März 2008

Knoblauch - giftig oder gesund für den Hund?

Ein Thema, über das Hundefreunde immer wieder heiß diskutieren. Während die einen auf den Knoblauch als Allheilmittel und natürlichen Jungbrunnen für Hundesenioren schwören, warnen andere eindringlich vor der Giftigkeit des Knoblauchs für Tiere und raten dringend davon ab Knoblauch zu füttern. Die Verwirrung ist dann oft komplett, weil selbst einige Futtermittelhersteller dem Hundefutter Knoblauch beimischen, wovor die anderen wiederum warnen. Auf manchen Internetseiten wird vor dem Knoblauch als "tödliche Gefahr" gewarnt. Und spätestens seit dem TV-Bericht im WDR (Tiere Kompakt, Sonntag, 16. März 2008) hat sich bei einigen Hundehaltern Panik breit gemacht. Denn auch hier wurde vor Knoblauch gewarnt.

Was denn nun? Giftig oder gesund für den Hund?

Also wie ist es denn nun mit dem Knoblauch und den Hunden? Den eindringlichen Warnungen stehen unzählige Hunde gegenüber, die seit Jahren Knoblauch bekommen und damit bis ins Hohe Alter putzmunter sind. Grund genug für uns, mal auf die Suche nach fachlich fundierten Informationen zum Knoblauch zu gehen. Ich habe mich mal in vielen verschiedenen Quellen recherchiert, zusätzlich den Tierarzt unseres Vertrauens befragt und festgestellt: Die Wahrheit liegt wohl - wie so oft - irgendwo dazwischen. Oder, wie schon der bekannte Arzt und Philosoph Paracelsus bereits im 15. Jahrhundert bemerkte: „Die Dosis unterscheidet das Gift vom Heilmittel!" Der Knoblauch zählt zu den Zwiebelgewächsen, wobei er (nach einer amerikanischen Veröffentlichung) im Vergleich zur Küchenzwiebel als weniger giftig bezeichnet wird. Sowohl roh als auch gekocht oder in getrockneter Form enthält Knoblauch Schwefelverbindungen, die die Erythrozytenmembran schädigen können. Durch eine dauerhafte Überdosierung über einen längeren Zeitraum kann es dann zu einer Zerstörung von Blutplättchen (die so genannte Heinzkörperbildung) und anämischen Erscheinungen (Blutarmut) kommen. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen kann es ab einer Dosierung von 5 g je kg Körpergewicht des Hundes zu solchen Schädigungen und Vergiftungserscheinungen kommen.

Warum überhaupt Knoblauch füttern?

Schon seit der Antike wird die gesundheitsfördernde Wirkung des Knoblauchs geschätzt. Besonders auf ältere Hunde soll Knoblauch (in der richtigen Dosis!) einen ähnlich positiven Effekt haben wie auf den Menschen. Auf der Seite der Diensthundepraxis wird Herr Professor Dr. Nägeli vom Veterinärtoxikologischen Institut der Universität Zürich wie folgt zitiert: "Die Fütterung von Knoblauch an Hunde kann sich günstig auf die Gesundheit auswirken. Über die tatsächliche Wirkung als Repellens (Abschreckungsmittel gegen stechende Insekten) weiß ich aber nichts. Empfohlen wird eine tägliche Dosis von 4 g / Hund der frischen Knoblauchzehe.

Auf der Website des Instituts für Veterenärpharmakologie und Veterenärtoxikologie wird die toxische Dosis (giftige Dosis) für Hunde mit 5g/kg Körpergewicht ganzer Knoblauch oder 1.25 ml/kg Körpergewicht Knoblauchextrakt während 7 Tagen angegeben. Als maximale mittlere Tagesdosis von frischem Knoblauch oder Äquivalent wird dort empfohlen: Katzen und Hunde: 4 g/Tier, Grosse Wiederkäuer: 20-30 g/Tier, Pferde: 20 g/Tier.

Der Tierarzt Dr. Volker Wienrich schreibt in seinem Buch "Der vitale Hund" in dem Kapitel Tumorerkrankungen und Ernährung (S.126) wörtlich: "Knoblauch: Aufnahme hoher Mengen soll die Tumorenentwicklung hemmen." Auch Meyer & Zentek, die bekannte Spezialisten für Tierernährung sind, (Prof. Dr. Dr. Meyer leitete 25 Jahre lang das Institut der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Prof. Dr. Zentek leitete Das Institut für Ernährung der Veterenärmedizinischen Universität Wien, ist Univ.-Prof. an der freien Universität Berlin, Fachbereich Veterenämedizin / Tierernährung), schreiben in ihrem Buch "Hunde richtig Füttern" (S. 83): "Mit Zwiebeln und Knoblauch lassen sich entgegen einem weit verbreiteten Volksglauben Würmer nicht abtreiben. Eine übermäßige Zwiebelfütterung begünstigt Blutarmut. Aus diesem Grund und wegen der Geruchsbelästigung sind große Mengen für Hunde nicht geeignet." Große Mengen - von einer Gefahr oder Giftigkeit bei kleineren Mengen ist keine Rede. Leider fehlt allerdings in beiden Büchern eine exakte Mengenangabe bzw. Dosierungsempfehlung dazu. Das Veternärtoxikologische Instituts in Zürich sehe ich als sehr vertrauenswürdige Quelle an, sodass wir die dort gegebene Dosierungsempfehlung als Richtwert nehmen. Literaturhinweise:

Der vitale Hund
Hunde richtig füttern

Knoblauch gegen Zecken und andere Insekten?

Einige Hundehalter schwören zwar auf die Wirkung des Knoblauchs als natürliches Insektenabwehrmittel (Zeckenschutz), aber ich persönlich kenne auch keinen Hund, der durch Knoblauch zeckenfrei wäre. Während meiner Arbeit als Reitstallhund habe ich beobachtet, dass einige Pferdehalter ihren Pferden Knoblauch fütterten, um sie vor Stechmücken und (Pferde) Bremsen zu schützen, doch auch hier blieb die gewünschte Wirkung als Reppelens aus. Ich habe schon in Reitställe reingeschnuppert, in denen mir eine derart heftige 'Knoblauchfahne' entgegen schlug, dass vermutlich jeder griechische 5-Sterne Koch vor Neid erblasst wäre. ;o) Die Bremsen, Fliegen und Stechmücken hat das jedoch gar nicht beeindruckt. Wir haben auch (trotz intensiver Suche) keine Studie finden können, die eine solche Wirkung belegen würde. Als Zeckenschutz-, oder Insektenschutzmittel ist Knoblauch unserer Erfahrung nach ungeeignet.

Wie äußert sich eine Knoblauchvergiftung?

Der Vollständigkeit halber möchten wir hier noch die Anzeichen für eine Knoblauchvergiftung erwähnen: Erbrechen, Durchfall, Schwäche, Appetitlosigkeit, blasse Schleimhäute, schnelle Atmung sowie schneller Puls. Bei diesen Anzeichen sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden. In der Regel erholen sich die Tiere aber bereits nach einer Woche, wenn die Knoblauchpräparate abgesetzt werden.

Kein Grund zur Panik

Zum Abschluss wollen wir noch erwähnen, dass verschiedene Futtermittelhersteller, die Knoblauch im Hundefutter verarbeiten, diesen zusätzlich zu einer geringen Dosierung (beim Hersteller Defu Biofutter zum Beispiel im 0, % Bereich) auch noch entschwefeln, wodurch die für die Blutveränderungen verantwortlichen schwefelhaltigen Substanzen vor der Verarbeitung entfernt werden. Sollte jemand auf der Angabe der Inhaltsstoffe beim Hundefutter nun also das Wort „Knoblauch“ entdecken, muss er nicht gleich in Panik verfallen und den Futtersack nicht unbedingt in den Giftschrank verbannen. ;o) Eine starke Überdosierung ist bekanntermassen bei fast allen Stoffen - selbst bei einigen Lebenswichtigen Vitaminen - schädlich und kann schwerwiegende Krankheiten verursachen. Ich denke daher, Panikmache ist hier genau so unangebracht wie eine übermässige Fütterung der 'duftenden' Knolle. Die Dosis macht das Gift.

Und wo wir schon einmal dabei sind Missverständnisse und Märchen aufzuklären: Knoblauch hilft nicht gegen Würmer und kann leider die Wurmkur nicht ersetzten! Dieses Märchen wird seit Jahren immer wieder verbreitet, entspricht aber leider nicht der Wahrheit. Mehr zum Thema Würmer beim Hund findet ihr hier.

Bis bald, euer Alex! (Alexander Bömbelmann ;o)

Nachtrag 17.09.2008: Bei Hunderassen wie dem Akita und dem Shiba Inu ist jedoch besondere Vorsicht geboten. Angaben der Zeitschrift DOGS zufolge, reagieren diese Rassen besonders empfindlich auf Knoblauch bzw. können ihn gar nicht vertragen.

Foto (c) Johna M.Gade / pixelio.de

Kommentare:

  1. Eine interessante Seite und der Artikel war informativ. Selbst besitze ich zwei Hunde. Von Euch hab ich im Forum über hunde gehört: http://www.platinnetz.de/forum/223/hundefreunde
    Schöner Gruß

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  2. Danke Tomasz, es freut uns natürlich, wenn die Infos hilfreich sind! :o)

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  3. Vielen Dank für die Infos. Endlich mal jemand, der das Thema sachlich angeht und nachvollziehbare Aussagen liefert, anstatt Panik zu verbreiten und nutzlose Aussagen ohne Quellenangaben ins Netz zu stellen. Ich war auch schon völlig verunsichert, jetzt bin ich schlauer und beruhigt.

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  4. Danke für den ausführlichen Artikel. Ich habe deshalb im Artikel Ist Knoblauch Gift für Hunde? einen Link erstellt ;-)

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  5. Hallo Jörg,

    Danke für den Link! ;o)

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  6. Prima Artikel, bekomme diesbezüglich auch viele Anfragen. Deswegen habe ich den Artikel auch gern in unserem Blog verlinkt - sehr lesenswert!

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  7. Ich habe seit Jahren sehr gute Erfahrungen mit Knoblauch . . . bei mir selbst und auch bei meinen Schäferhunden. Ich füge dem Fressen für die Hunde ein bis zwei Knoblauch-Zehen - geschält und gewissenhaft zerkleinert, selbstverständlich - bei. Und auch bei Juckreiz auf der Haut, sogar in den Ohren - hilft Knoblauch, zerkleinert und in warmem Wasser ein paar Minuten gelagert - innerhalb von 10-15 Minuten! Ich tauche eine Papierserviette oder ein Stück Toilettenpapier in das warme Wasser und reibe damit die juckende Stelle ein. Fast sofort kündigt ein wohltuendes leichtes Brennen - wohltuend, wenn's vorher nahezu unerträglich gejuckt hat - den Beginn der Wirkung an. Und nach 15 Minuten ist selbst in sehr unangenehmen Fällen sowohl das Jucken als auch das Brennen vorbei.

    Wichtig, s e h r wichtig: Nach jeder Berührung des Hundes die Hände sorgfältig mit Seife waschen! Sonst juckt es bald auch dem menschlichen Besitzer auf der Haut, und das wollen wir ja wohl nicht!

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