Mittwoch, 20. Februar 2008

Retter in der Not...

Heute gibt es mal wieder eine wahre Geschichte aus meinem Leben. Der Kollege Dajosch hatte hier geschrieben: „... Natürlich hoffen wir auch auf neue Geschichten...!“ Und wenn er so nett bittet, wollen wir ihm diesen Wunsch doch auch erfüllen. ;o)

Vor einiger Zeit ging ich mit Frauchen in einem einsamen Waldstück spazieren. Wie ihr inzwischen alle wisst, wildere ich nicht und gehorche sehr gut, also durfte ich natürlich frei laufen. Das kommt mir sehr entgegen, denn wenn es darum geht mein großes Geschäft zu verrichten, bin ich sehr eigen: Der passende Ort dafür wird von mir immer höchst sorgfältig ausgewählt, und liegt vorzugsweise irgendwo im tiefsten Dickicht oder Gestrüpp - ich fühle mich dabei eben am liebsten völlig unbeobachtet. (Unverschämter Weise belächeln meine Zweibeiner diesen Wunsch nach Diskretion oft.) Dieses Wäldchen war noch recht unberührt und naturbelassen, wir trafen dort auch fast nie Leute. So gab es ausreichend viele Möglichkeiten den geeigneten Platz für mein Vorhaben zu finden.

An diesem Tag jedoch, machte ich im Unterholz eine schreckliche Entdeckung: Unter einem Baumstamm lag ein verletztes Rehkitz! Ich stupste es vorsichtig mit der Nase an, doch es konnte nicht aufstehen. Es schien schon eine ganze Weile dort gelegen zu haben, denn es hatte durch heftiges Strampeln mit den Beinen schon eine richtige Mulde um sich herum gebuddelt. Ganz offensichtlich war das arme Tier sehr erschöpft, und hatte starke Schmerzen. Sofort war mir klar: Ich muss Hilfe holen! Ich rannte also schnell zu meinem Frauchen zurück, fiepte und winselte total aufgeregt und sprang nervös hin und her.

Ein derartiges Verhalten kannte Frauchen von mir, denn so habe mich auch früher im Reitstall schon immer verhalten, wenn etwas mit einem 'meiner' Pferde nicht stimmte. Wenn zum Beispiel ein Pferd mal an einer Kolik (Bauchschmerzen) litt, sich verletzt oder sich so unglücklich im Stall hingelegt hatte, dass es nicht in der Lage war, alleine wieder aufzustehen, habe ich mein Frauchen immer auf diese Weise alarmiert. Und immerhin konnten so in meiner langjährigen Laufbahn als Stallhund alle Pferde immer noch rechtzeitig gerettet werden, wenn sie in Not waren.

An diesem Tag aber, war Frauchen zunächst etwas irritiert. Einerseits wusste sie, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie eine Fehlalarm ausgelöst habe, andererseits waren wir aber hier mitten im Wald, wo es weit und breit keine Pferde gab. Daher wusste sie nicht genau, wie sie mein Verhalten jetzt deuten sollte. Ich fiepte und winselte also noch heftiger, rannte immer wieder ein Stück in die Richtung des Rehkitzes und sah mich zu Frauchen um. Sie war verwirrt, hatte keine Ahnung was das Ganze sollte, folgte mir aber schließlich trotzdem ins Dickicht. Erst, als sie das verletzte Rehkitz sah, begriff sie, und konnte es kaum glauben. Doch was tut man in einer solchen Situation? Frauchen kannte sich mit Pferden aus, mit Hunden, Katzen, Meerschweinchen und auch ein bisschen mit Igeln - aber mit Rehkitzen? Da war auch Frauchen überfordert.

Den Förster hatten wir einige Male getroffen und kurz mit ihm unterhalten, aber Frauchen kannte seinen Namen nicht. Also rief sie die Polizei an, um es herauszufinden. Kurz darauf kamen 2 Polizisten, der Förster und dann auch noch die gesamte Jägerschaft des ganzen Umkreises. Sie hatten wohl zufällig gerade irgendwo in der Nähe eine Versammlung. Als sie sich alle das Rehkitz ansahen, zitterte ich vor lauter Aufregung am ganzen Körper. Ich machte mir solche Sorgen, weil das arme Kitz noch immer nicht aufstand. Wie sich herausstellte, hatte das Rehkitz eine schwere Rückenverletzung. Vermutlich war es von einem Auto angefahren worden, meinten der Förster und die Jäger. Scheinbar waren Wirbel angebrochen, und das Kitz hatte zunächst im Schockzustand noch weiterlaufen können, bis es an der Stelle, wo ich es gefunden hatte, schließlich zusammen gebrochen war. So kamen die Experten zu dem Ergebnis, dass das arme Kitz leider nicht mehr gerettet werden könnte.

Frauchen bettelte, ob man es nicht zum Tierarzt bringen und wenigstens zu retten versuchen könnte. Doch als einer der Männer ganz vorsichtig versuchte das Kitz anzuheben, schrie es vor Schmerz laut auf. Ich hätte nie gedacht, dass Rehkitze solche Laute von sich geben, ja regelrecht ‚schreien‘ können. Auch Frauchen ging dieser schreckliche Schmerzlaut durch Mark und Bein. Und so mussten wir den Beschuss der Männer akzeptieren, dass dieses arme Rehkitz von seiner Qual erlöst werden musste.

Wir blieben nicht dabei, als es über die Regenbogenbrücke geschickt wurde, weil Frauchen nicht wollte, dass ich das miterlebe. Wir drehten eine riesengroße Runde durch den Wald, denn Frauchen hoffte, mich damit auf andere Gedanken bringen zu können. Doch als wir auf dem Rückweg an der Stelle vorbei kamen, rannte ich sofort wieder ins Dickicht. In diesem Moment hörte ich nicht einmal auf Frauchens Rufen, denn ich musste einfach wissen, ob es noch da war. Die Mulde, in der es gelegen hatte war leer, und ich wusste genau was passiert war. Den ganzen Tag war ich noch sehr, sehr traurig, und Frauchen hatte viel Mühe, mich zu trösten. Sie war sehr stolz auf mich, und sagte, ich hätte es trotzdem gerettet, auch wenn es jetzt im Regenbogenland ist. Frauchen meinte, wenn ich es nicht entdeckt hätte, wäre es langsam und qualvoll an der Stelle verendet, an der es schon seit Stunden unter heftigen Schmerzen gelegen haben musste, als ich es fand. Es hätte sich noch viele Stunden, vielleicht sogar noch Tage hilflos quälen müssen. So sehr wir beide uns auch ein richtiges Happy End mit einem gesunden Rehkitz gewünscht hätten - es ist immerhin tröstlich, dass es wenigstens einen schnellen und schmerzfreien Weg über die Regenbogenbrücke fand ....

Bis bald, euer Alex (Alexander Bömbelmann ;o)
.
Foto: (c) Sabine Jaunegg, pixelio.de (Symbolfoto)

Kommentare:

  1. Thanks for visiting me again. I still can't seem to get the english translation working on your blog....but that baby deer picture is so cute! Please come by again soon!
    --JB

    AntwortenLöschen
  2. Alex, we cried when we read this post but it is true that this poor animal would suffer lots more by himself if you didn't find him. Let's hope that he's jumping and smiling over the bridge. We all will see him again. :)

    Momo& Pinot

    AntwortenLöschen
  3. Du bist und bleibst ein Held, lieber Alex!

    AntwortenLöschen

Related Posts with Thumbnails