Dienstag, 5. Februar 2008

Angst vor Hunden? Hundephobie?


Dann könnte dieses Buch weiterhelfen. Warum haben so viele Menschen Angst, viele sogar panische Angst vor Hunden? Ängste, oder gar Phobien entwickeln manche Menschen gegen viele Dinge. Was ist überhaupt eine Phobie? Eine übertriebene, nicht durch reale Gefahr begründete Angst. Doch während man Menschen, die zum Beispiel an einer Arachnophobie (Spinnenangst) leiden, sofort zu einer Therapie rät, scheint eine Hundephobie eher “gesellschaftlich anerkannt” zu sein.

Auch die Betroffenen einer Hundephobie selbst, haben meist das Gefühl, ihre panische Angst vor Hunden sei durchaus begründet, während dagegen die Einsicht, dass die übertriebene Angst zum Beispiel bei einer Spinnenphobie unbegründet und unsinnig ist. Spinnenphobiker und andere Phobiker - seien es soziale oder andere Phobien - sehen es als selbstverständlich an, dass sie etwas gegen ihre Angst tun, sich in Behandlung begeben müssen. Auch wenn sie von der Angst oft überwältigt und wie gelähmt sind - sie wissen meist, dass diese Angst nicht normal und behandlungsbedürftig ist. Hundephobiker dagegen, sehen das Problem meist nicht bei sich. Sie sehen es als selbstverständlich an, dass andere etwas tun müssen - nämlich Hunde von ihnen möglichst weit fern halten, am Besten ganz abschaffen.

Wie kommt das?

Hunde können beißen, soviel steht fest. Das steht ebenso fest, wie die Tatsache, dass es giftige Spinnen gibt, deren Gift Menschen töten kann. Die Medien tragen einen großen Teil dazu bei, dass gerade die Hundeangst enorm geschürt werden. Beißt ein Hund einmal zu, gibt es nicht selten 200 bis 300 Medienberichte zu einem einzigen Hundebiss. Hinzu kommt, dass diese Berichte dann wieder auf private Websites und Blogs kopiert werden. So hat der Leser ständig Schlagzeilen von Hundebissen vor Augen und es entsteht der Eindruck, es passiere ständig etwas. Dass hier immer wieder ein und der selbe Fall durchgekaut und aufgebauscht wird, geht im Schrecken der Nachricht völlig unter. Jeder einzelne Vorfall - und seien die Verletzungen auch noch so gering - ist den Medien eine Schlagzeile wert. Selbst wenn der Biss versehentlich beim Spielen oder definitiv durch eigenes Verschulden entstand und mit einem einfachen Pflaster versorgt werden kann, ist das den Medien eine Schlagzeile wert, die den Hund als "unberechenbare Bestie" darstellt. Bricht sich dagegen ein Reiter beim Reitunfall alle Knochen, wird von einem Pferd gebissen oder getreten, so interessiert das die Medien kaum bis gar nicht. Mit einem reißerisch formulierten Zeitungsartikel über eine ‘Hundeattacke’, der nun von allen Seiten regelrecht “eingehämmert” wird im Hinterkopf, geht der Leser auf die Straße und hat instinktiv ein ungutes Gefühl, wenn er einem Hund begegnet.

Beißstatistiken

Weiterhin werden in den Medienberichten immer wieder Statistiken von Hundebissen zitiert. Besonders mit der Entstehung dieser Statistiken setzt sich Janis Bradley in ihrem Buch “Hunde können beißen - aber Luftballons und Pantoffeln sind gefährlicher” auseinander. Und dabei wird klar, der Buchtitel, der hier auf den ersten Blick fast absurd klingen mag, ist eine reale Feststellung. Es ist tatsächlich so, dass mehr Kinder an einem Luftballon ersticken, und mehr Menschen durch Hauspantoffeln zu Tode kommen, als durch Hundebisse. Die Chance, von einem Hund getötet zu werden, liegt bei 1:18 Millionen.

Janis Bradley deckt in ihrem Buch auf, dass die Zahlen und Statistiken über Hundebisse auf aus der Luft gegriffenen Schätzungen beruhen, geradezu absurd verfälscht sind und so einen völlig falschen Eindruck entstehen lassen.

Andere Gefahren

Bemerkenswert finde ich schon lange, dass sich scheinbar sehr viele Menschen Gedanken darum machen, von einem Hund ‘zerfleischt’ werden zu können, aber offenbar keine Gedanken darum machen, sie könnten einem Sportunfall, einem Gewaltverbrechen oder einem Verkehrsunfall zum Opfer fallen. Obwohl die Gefahr hierfür ungleich höher liegt. Ein nettes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Die Debatte um ein Tempolimit in Deutschland. Zahlreiche Verkehrsexperten argumentierten, dass sich dadurch die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr deutlich verringern ließe. (Immerhin haben wir ja jährlich rund 5000 Todesopfer im Straßenverkehr). Dennoch - da ging sofort ein Aufschrei durchs Volk! Tempolimit? Nicht mit uns! Wir geben Gas, 120 kmh reichen uns nicht. Da muss man eben ein paar Tote mehr oder weniger in Kauf nehmen. Ist halt ‘normales Risiko’…

Andererseits laufen aber Politiker Sturm, weil sie der Ansicht sind, die Gefahr, die von Hunden ausgeht, müsse dringend ausgeschaltet werden. Ich wiederhole noch einmal: Die Gefahr, durch einen Hundebiss ums Leben zu kommen, liegt bei 1:18 Millionen! Selbst die Gefahr durch einen Mückenstich ums Leben zu kommen liegt deutlich höher. Das ist kein scherz, sondern die Realität. Und das Risiko an einem Blitzschlag zu sterben, ist immerhin 5 mal so hoch, wie das, an einem Hundebiss zu sterben. (Warum ist es nicht schon lange Pflicht, dass jeder einen Blitzableiter auf dem Kopf trägt? ;o)

Was mich noch so wundert

Selbst wenn der Hund noch so brav bei Fuß läuft, und entgegenkommende Passanten keines Blickes würdigt, beobachte ich gelegentlich ängstliche bis feindselige Blicke. Offenbar machen sich manche Leute Sorgen, vom Hund ‘angefallen’ zu werden. Dass hier direkt am Park vor ca. 2 Wochen eine Frau mit Messerstichen brutal ermordet wurde, und im letzten Jahr in einem anderen Park dieser Stadt 2 Menschen ‘aus Spaß’ von ihren menschlichen Artgenossen abgestochen wurden, scheint dagegen keinerlei Besorgnis auszulösen. Ebenso wenig, wie die Tatsache, dass alle paar Minuten in Deutschland ein Gewaltverbrechen (Mord, Totschlag, schwere Körperverletzung, Vergewaltigung usw.) geschieht. ‘Normales Risiko’? Darum sorgt sich niemand, während jeder Hund als potentielle Gefahr angesehen wird? Darüber sollte man vielleicht mal drüber nachdenken…

Wie gesagt, das Buch von Janis Bradley kann ich jedem empfehlen, der unter Hundangst leidet. Es holt auf den Boden der Tatsachen zurück und räumt mit einigen Missverständnissen auf. Dabei wird nichts beschönigt, denn natürlich können Hunde beissen. Am Ende des Buches gibt es Tipps, wie man sich Hunden gegenüber richtig verhält. Erhältlich direkt beim Animal Learn Verlag, oder direkt online zu bestellen über buecher.de (Versandkostenfrei) über diesen Link:

Hunde können beissen


Bis bald, euer - nein, heute ausnahmsweise der Alex höchst selbst, sondern Alex’ Frauchen. ;o)

Kommentare:

  1. Nachdem du das Buch hier letztens schonmal kurz vorgestellt hattest hab ich es mir auch bestellt. Sowas sollte man eigentlich zur Pflichtlektüre im Schulunterricht machen, damit die Menschheit mal wieder zur Normalität zurück findet.

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  2. Pflichtlektüre über uns, das ist eine blendende Idee. Ich regle das ein wenig anders. Meine Aufgabe besteht darin, dass ich als offiziell anerkannter Schulhund tätig sein darf. Ich nehme meine Aufgabe sehr ernst und mein Frauchen ist sehr stolz auf mich, aber auch auf die fortschrittlich denkende Behörde. Unterdessen kenne ich weit mehr als 300 Schüler und die meisten lieben mich - und ich, ich liebe alle!
    Dajosch

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  3. Mein lieber Dajosch, das ist eine tolle Aufgabe, auf die du mächtig stolz sein kannst! Auch solche Projekte sollte man meiner Meinung nach an allen Schulen einführen. Denn ich hätte es nich besser sagen können als Simmy - es wird Zeit, dass die Menschen mal wieder zur Normalität zurück finden!

    Wir wünschen dir weiterhin ganz viel Spaß und Erfolg bei deiner Arbeit!

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  4. Hallo zusammen!

    Ich litt über 30 Jahre lang unter einer Hundephobie und kann aus Erfahrung sagen: es ist die Hölle! Selbst kleinste Hunde und Welpen lösten bei mir Panik aus. Das ganze Leben wird dadurch enorm eingeschränkt und verliert an Lebensqualität. Ich stimme zu, dass die Häufigkeit der Presseberichte solche Ängste schüren, denn so war es bei mir auch. Hinzu kommt, dass sich die eigene Wahrnehmung verändert. Ein ganz typisches Beispiel:

    Ich jogge im Park, mir kommt ein Hund entgegen. Heute, da ich meine Angst nach einer Therapie überwunden habe sehe ich: der Hund trabt brav vor sich hin, schnüffelt dabei auf dem Boden irgendwelchen anderen Hunden nach und nimmt keinerlei Notiz von mir. Heute erkenne ich die Situation und kann ganz entspannt weiter laufen.

    Früher hätte ich die exakt gleiche Situation hinterher so geschildert: >> der riesige Hund kam direkt auf mich zu gerannt!!! Erst als ich die Besitzerin angeschrieen habe, leinte sie den Hund endlich an. Er hätte mich fast gebissen!!! <<

    Ja, früher habe ich solche Situationen genau so geschildert. Nicht weil ich zu Übertreibungen oder zum Lügen neige, sondern weil ich es früher genau so empfunden habe. Ich habe es damals so wahrgenommen, dass mir die Hunde das Leben zur Hölle machten und alle Hundehalter verflucht. In der Therapie habe ich gelernt, dass es die Phobie bzw. ich es selbst bin, die sich das zur Hölle macht. Denn eigentlich gab es auch keinen konkreten Grund für meine Angst. Ich war nie gebissen worden, bildete mir aber trotzdem ein, dass mich jeder Hund beißen wollte. Und war davon überzeugt schon 1000 mal fast gebissen worden zu sein. Nur weil ein Hund an mir vorbei lief. Sah mich ein Hund gar kurz an, hatte ich hinterher das Gefühl nur ganz knapp dem Tode entronnen zu sein. Und davon war ich überzeugt.

    Noch schlimmer: ich habe sogar meine Kinder mit in diesen Sumpf der Angst gerissen. Dafür schäme ich mich noch heute. Auch schäme ich mich für die wüsten Beschimpfungen, die ich jedem Hundehalter zuteil werden ließ. Es war ein langer Weg diese Angst zu überwinden, aber ich kann nur jedem raten eine Therapie zu machen! Das Leben gewinnt an Qualität, wenn man normal mit Hundebegegnungen umgehen kann. Und zwar enorm! Wir haben gelernt Situationen richtig einzuschätzen und das Verhalten von Hunden zu deuten. Ich kann mich heute sogar am Anblick ausgelassen spielender Hunde erfreuen. Das hätte ich nie für möglich gehalten.

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  5. @ Anonym: Ich danke Ihnen ganz herzlich für diesen ausführlichen Kommentar, der wahrscheinlich ganz typisch für eine Hundephobie ist.

    Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Ihre persönlichen Erfahrungen hier so ausführlich zu schildern. Es freut mich sehr zu lesen, dass es Ihnen besser geht und Sie sich inzwischen sogar an Hunden erfreuen können.

    Auch wir Hundebesitzer erfreuen uns natürlich an unseren Hunden, und es macht traurig, wenn diese Freude durch unverhältnismässige und grundlose Anfeindungen getrübt wird. Daher ist es schön und tut gut, mal ein solches Beispiel zu lesen. Nochmals vielen Dank dafür.

    LG Alex' Frauchen

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