Montag, 14. Januar 2008

"Hundeattacke" - die Bildzeitung berichtet...

"Dieser Hund ist angeblich ungefährlich" titelt bild.de heute fett gedruckt und versucht einmal mehr, dem Leser das Image der "bösen, reißenden Bestie Hund" näher zu bringen. Mehrmals wird in dem Artikel fett gedruckt darauf hingewiesen, dass der Hund beim Wesenstest als nicht gefährlich eingestuft wurde, wobei Bild es nicht ein einziges mal versäumt, das "nicht gefährlich" in Anführungszeichen zu setzen. Und ebenfalls ganz fett gedruckt der empörte Hinweis: Der Hund wird nicht eingeschläfert. (Da trieft der vorwurfsvolle Unterton nur so aus den Zeilen.)

Immerhin - zwischen den ganzen fett gedruckten reißerischen Zeilen noch klein gedruckt der Hinweis, den wir jetzt zur Abwechslung mal fett drucken wollen: Hundebesitzer Heiko A. (43, Tischler) erzählt: „Frank hat Kessi provoziert, wollte zeigen, wie stark er ist. Er hat sie gewürgt.“ (Schön, dass dies wenigstens noch erwähnt wurde, doch leider geht dieser dezente und verschwindend klein gedruckte Hinweis im reißerischen Artikel der Bild völlig unter.)

Interessant - das vermeintliche "Opfer" der vermeintlichen "Hundeattacke" hat den Hund also gewürgt. Nun stellt sich wohl die Frage: Ist ein Lebewesen - egal ob Hund, Mensch oder was auch immer - als "aggressiv" einzustufen, nur weil es sich nicht widerstandslos erwürgen lässt? Ist ein Hund "gefährlich", weil er sich wehrt, um sein Leben zu retten? Was will Bild uns mit diesem Artikel sagen? Muss ein Hund es selbstverständlich hinnehmen, sich von einem Menschen erwürgen zu lassen? Liebe Bild Redaktion, falls ihr es noch nicht wusstet: Es ist ein Urinstinkt eines jeden Lebewesens, sein Leben zu verteidigen, wenn dieses akut in Gefahr ist. Vereinfacht gesagt (für die ganz Dummen): Wer ein anderes Lebewesen zu erwürgen versucht, der sollte damit rechnen, dass dieses Lebewesen sich wehrt, um sein Leben zu retten! Das ist nicht nur beim Hund, sondern auch beim Menschen so. Deswegen ist der, der sein Leben verteidigt, aber noch lange nicht als "aggressiv" einzustufen!

Ja, der Hund hat sich gewehrt - aber er hat dem Angreifer eine Fleischwunde am Arm zugefügt, um seinem Würgegriff zu entkommen. Der Hund hätte den Angreifer auch töten können, aber er hat lediglich so zugebissen, dass es ihm möglich war, seinem Peiniger zu entkommen und somit sein eigenes Leben zu retten - nicht mehr und nicht weniger! (Auch wenn ihr noch so fett druckt und noch so viele Anführungszeichen verwendet, liebe Bild-Schreiberlinge ;o).

Und nun noch eine herzliche Bitte: Liebe Bild-Redaktion, falls irgendwann mal einer von euch erwürgt werden sollte, dann sorgt doch bitte dafür, dass ein Fotograf vor Ort ist. Ich würde zu gerne sehen, wie ihr euch mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht bereitwillig ohne jegliche Gegenwehr erwürgen lasst. (Und wenn ihr Straffreiheit garantiert, würde sich mein Frauchen vielleicht sogar freiwillig als Würger zur Verfügung stellen - aus purer Hilfsbereitschaft und zu rein wissenschaftlichen Zwecken, versteht sich. Damit wir Hunde dann lernen können, wie man sich vorschriftsmäßig erwürgen lässt.) Also: Freiwillige vortreten - seid mal VorBILD, liebe Bild- Reporter & Redakteure! ;o)

Bis bald, euer Alex! (Alexander Bömbelmann ;o)

PS: Sehe ich auf dem Foto nicht aus, wie eine aggressive, gefährliche, wilde Bestie? Ja, wenn ihr das Bild vergrößert (anklicken) seht ihr, dass ich darauf gerade gnadenlos ein armes, wehrloses Stöckchen zerfleische. Uaahhh.... sooooooo gefährlich....

Siehe auch: "Hund zerfleischt Kind". Eine traurige Geschichte, die perfekt zu diesem Thema passt.

Ebenfalls passend zu Thema der Artikel: "Beißattacken von Hunden - Unfälle oder vorprogrammiert?"

Kommentare:

  1. Es ist und bleibt eben die Blind Zeitung. Ich bin auch gespannt, was Morgen über die Wölfe aus Sachsen drin steht. Das "freiwillige" Erwürgen eines Blind Reporters würde ich doch auch gerne mal sehen und wehe er wehrt sich.

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  2. Ja, das wäre doch mal interessant. Natürlich wollen wir das nicht aus Schadenfreude sehen - neeeeiiiin, das liegt uns völlig fern! Wir wollen es nur zu Lehrzwecken sehen, damit wir dann wissen, wie man sich vorBILDlich verhält, wenn uns jemand zu erwürgen versucht, oder? ;o)

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  3. :-))) gut gebellt, Alex! Ich würde es auch sehr gerne sehen ;-)

    Aber immerhin, für die ist es ja schon ein Fortschritt, dass sie überhaupt erwähnen, wie es dazu kam. Ist ja bei denen längst nicht selbstverständlich. :-( War bestimmt auch nur ein Versehen...

    Ich binn sicher, wenn das Foto von dir hier an die BLÖD schicken würdest, hättest du echte Chancen auf die Titelseite zu kommen. Überschrift: "Deutschlands Hunde immer gefährlicher", selbst friedliche Stöckchen werden angegriffen un zerfleischt! lol

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  4. Hä? Wieso hat der jetzt Anonym geschreiben? Ich bins, Katja!

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  5. Der Bild-Artikel ist wieder ein gefundenes Fressen für Hundefeinde, genau wie der Stern-Beitrag über den Hundeterror in Moskau, der eigentlich ein "Hungerterror" ist. Übrigens hätte ich als Hund woanders zugebissen! Schnapp...

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  6. Hi Alex,
    über den IQ der Reporter der Zeitung mit den großen Buchstaben kann man sich immer nur wundern. Mich hatten sie auch mal erwischt und um ein Interview nachgefragt. Nach anfänglich zögern ließ sich Frauchen dann wegen der Sache die wir vertreten überreden. Gar nicht toll fand ich dann, dass das Interview mit mir, dann einen Tag vor dem Interviewtermin in der B zu lesen war. In dem Artikel konnte ich angeblich Sachen, die man als Hund einfach nicht kann.
    Ich finde deinen Vorschlag deshalb sehr toll. Obwohl, auch ein Foto kann man verändern.
    Shacky

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  7. @ Shacky: Es läßt ja tief blicken, wenn die sich schon bei so einem harmlosen Thema nicht an die Fakten halten. Warum fragen die überhaupt nach einem Interview und erfinden die Geschichte nicht gleich ganz? ;o)

    @ Hundefreundin: Ja, beim Thema Hunde drehen scheinbar selbst Zeitungen durch, die allgemein als "seriös" eingestuft werden. Der reißerische Stern-Artikel erschien übrigens exakt im gleichen Wortlaut noch an vielen anderen Stellen: Focus, n-TV und viele weitere haben sich an die "Story" drangehängt. Eine in Moskauerin hat bei Focus kommentiert: "
    Das ist sowas von uebertrieben! Ne, kann ich nicht bestaetigen."

    Beim Stern hatte ich im Kommentarbereich darauf hingewiesen, dass der Artikel einfach nur reißerisch aufgemacht und schlecht recherchiert ist. Es scheint allerdings niemand für nötig zu halten, nochmal nachzurecherchieren. Wäre ja auch langweilig, wenn man aufdeckt, dass die Probleme vom Menschen verursacht sind. "Hundeplagen" und "unberechenbare Bestien", die die Stadt "terrorisieren" spülen eben mehr Geld in die Kassen, als Berichte, die sich nüchtern an die Fakten halten...

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  8. Ja.. in dem Fall kann man nun wirklich mal sagen "Geldgier frißt Hirnzellen"..

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  9. Ich stelle mich zur Verfügung einen "Blöd"-Reporter zu würgen.

    koppschüttelnd
    Banjo's Frauchen

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  10. ........Ich nerve mich doch gleich wenn ich so einen Blödinn lese!
    Das schlimme ist nur, dass die Menschen die so etwas lesen nur das fettgedruckte lesen, alles andere nicht und vorallem sich eben auch keine Gedanken darüber machen!
    Nerv! Grrrrrrrrrrrr (mich könnte man in solchen Momenten auch als aggresiv einstufen!!!)

    Trotzdem, allen Besuchern von Alex's Seite einen schönen, nicht nervenden, Tag!

    Liebe Grüsse
    Jacky und Chenoa

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  11. @ Jacky: Ja, du triffst es auf den Punkt. Was bei den Lesern hängen bleibt ist "Hundeattacke" und ein Kopfschütteln darüber, dass der Hund nicht eingeschläfert wurde.

    @ Banjo's Frauchen: Schön, dann hätten wir das schonmal geklärt! ;o) Jetzt fehlt und nur noch der freiwillige Held, der uns demonstriert, wie man sich vor-BILD-lich und unaggressiv erwürgen läßt! ;o) Vielleicht sollten wir mal einen Leserbrief schreiben und bitten, es möge sich doch jemand aus der Redaktion freiwillig zur Verfügung stellen? Es wäre ja immerhin zu Lehrzwecken - damit wir unseren Hunden dann zeigen können, wie es richtig geht. ;o)

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  12. Super Idee!!! Ich finde soviel BILDungsauftrag wäre uns diese Zeitung doch schuldig, oder?

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  13. Walter und Ash wollten wissen was die Bild über Wölfe schreibt? Hier ein paar Kostproben:

    "Mitten in Deutschland
    Wölfe reißen Schafherde

    Das weiße Fell der Lämmer ist rot verfärbt: Die Wölfe sind nach Deutschland zurückgekehrt – und sie hinterlassen eine blutige Spur."

    Noch eine fette Schlagzeile:
    "Schießt die deutschen Wölfe ab"

    BILD dir deine Meinung!? Hab ich längst getan! Sie lautet: dieses Schmierblatt ist es absolut nicht wert gelesen zu werden! Mit Journalismus hat das alles längst nix mehr zu tun. Das sind in meinen Augen keine Journalisten, sondern verkappte Drehbuchautoren für Horrorfilme. Ich nehme an sie hatten beim Film keine Chance, weil ihre Horrorstorys einfach zu lächerlich und unrealistisch waren. Genau richtig für diese Zeitung, also. Tja, sorry Bild... aber ihr schreit ja immer "Bild dir deine Meinung!" dann müsst ihr sie auch vertragen können. ;)

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  14. Zitat aus dem Bild-Artikel:
    "Sie verbeißt sich in seinem Oberarm, seiner Hand und Schulter, reißt ein Stück Fleisch heraus."

    Wie um alles in der Welt kann sich ein Hund in 3 Körperteile gleichzeitig verbeißen? Hat er 3 Köpfe? Auf dem Foto sehe ich nur einen! Komisch...

    Und auf dem anderen Foto sehe ich auch nur eine einzige Wunde, am Oberarm. Von einem fehlenden Stück Fleisch ist auch nichts zu sehen. Ist das so schnell nachgewachsen?

    Lächerlich, dieser Artikel!

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  15. Na, der Hund hat ganz einfach den ganzen Arm bis zur Schulter im Rachen und der Gebissene kann am andern Ende des Hundes mit der Hand winken. Dass der Reporter auf die Idee nicht gekommen ist, die winkende Hand zu fotografieren....

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  16. Man schaue nur mal auf bildblog.de

    Da werden täglich Schlagzeilen und Artikel aus dieser Zeitung unter die Lupe genommen. Und täglich werden Falschmeldungen und Lügen aufgeklärt. Sehr interessant.

    lg steffi

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  17. So, Alex, ich war jetzt einige Wochen nicht mehr im Blogerwesen aktiv. Da bin ich wieder :)
    Ich wusste schonlange das Bild die News immer nach ihren Verkaufszahlen richten usw. Sowas verkauft sich besser als wenn man schreiben würde, "Hund verteidigt sich gegen gewalttätigen Menschen".
    Dieser Hund hat genau das richtige getan. Ich verabscheue auch Gewalt aber falls jemand versuchen sollte mir das Leben zu nehmen, werde ich bestimmt nicht still dastehen und warten bis das Licht erlischt, sonder mich wehren und dieser Person eine Lektion erteilen, so wie es der Hund gemacht hat. Denn anders lernen es die Menschen wohl nicht

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  18. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  19. Gelungene Gegendarstellung, sehr gelungen und mit "Biss" kommentiert. Respekt!

    Dennoch lesen (leider!) mehr Leute den Artikel in der Bild als diesen Artikel hier. Das ist das große Problem und das Traurige an der Sache.

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  20. Hallo, ich bin ja so froh endlich mal eine Seite zu finden die mal anständige Gegendarstellungen formulieren kann! :-D Ich find es traurig, dass die Tatsachen immer so sehr verdreht werden, dass es sich ja fast gar nicht mehr lohnt etwas richtig zu stellen. Ich trau mich ja fast gar nicht mehr solche Sachen zu lesen, weil ich Angst haben muss, dass mein Blutdruck nicht mit macht. (Und ich bin erst 22)
    Außerdem finde ich es zum k..., dass die Medien positive Nachrichten über solche Hunde IMMER (wirklich IMMER) nur nachts bringen! Da kann es ja zum Glück kaum einer sehen und die Medien können sagen sie haben es ausgestrahlt.

    Ich danke für eure Aufmerksamkeit. ;-)

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