Freitag, 4. Januar 2008

Fütterung, Bewegung, und Pflege bei alten Hunden

Vom großen Glück einen älteren Hund zu haben, hatte ich ja hier schon einmal ausführlich berichtet. Ein älterer Hund macht durchaus genau so viel Freude wie ein junger Hund. Und auch ein älterer Hund wird gerne noch - den körperlichen & gesundheitlichen Voraussetzungen angemessen - gefordert und beschäftigt. Sowohl geistig zum Beispiel durch Suchspiele und ähnliches, als auch (im Rahmen der Möglichkeiten) körperlich. Was die Fürsorge und Ernährung betrifft, stellt aber auch ein Hund im fortgeschrittenen Alter hohe Anforderungen an seine Besitzer. Hier noch ein paar Tipps dazu:

Allgemeines
  • Unnötiger Stress sollte vermieden werden, Veränderungen der Gewohnheiten sollten nur allmählich eingeführt werden.
  • Mindestens einmal im Jahr sollte - auch ohne dass ein konkreter Krankheitsverdacht besteht - eine Altersvorsorgeuntersuchung beim Tierarzt auf dem Programm stehen, um altersbedingte Erkrankungen rechtzeitig erkennen zu können. Grobe Richtwerte, ab wann man damit anfangen sollte:

    • bei Riesenrassen ca.ab dem 6. Lebensjahr
    • bei mittleren und großen Rassen ca. ab dem 7. Lebensjahr
    • bei kleinen Rassen ca. ab dem 9. Lebensjahr
      (Dies sind natürlich nur grobe Richtwerte. Jeder Hund ist verschieden - der eine kann mit 5 schon relativ "alt" wirken, der andere scheint mit 12 noch fit wie ein Jundspund. Sollten sich Beschwerden oder Anzeichen für Schmerzen zeigen, ist ein Tierarztbesuch ohnehin fällig. Diese Richtwerte für den als Vorsorge-Untersuchung gedachten "Seniorencheck" beziehen sich auf gesund wirkende Hunde.)

  • Besonders häufig stellen sich im Alter auch Herzleiden ein. Da sich diese meist sehr schleichend einstellen, sollten Hundebesitzer hier besonders auch auf kleine Veränderungen achten, denn nur wenn sie rechtzeitig erkannt werden, können Herzleiden noch gut behandelt werden. Anzeichen für eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) können sein: Leistungsminderung, dumpfes Husten nach dem Aufstehen, starkes hecheln nach Belastung, Bewegungsunlust, Müdigkeit und Mattigkeit usw. Da einige dieser Symptome eben Symptome sind, die das Altern des Hundes an sich (auch beim gesunden Hund) mit sich bringt, wird eine Herzschwäche oft erst zu spät vom Tierhalter erkannt. Im Zweifelfsfalle also lieber eine Check machen lassen.
Um das Herz gesund zu erhalten und den Herzmuskel in seiner Funktion zu unterstützen, sollte darauf geachtet werden, dass der Hundesenior ausreichend mit Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren sowie L-Carnitin versorgt wird. Ferner kann sich zuviel Natrium (Salz) im Futter negativ auf Herz und Leber auswirken. Bei der ausreichenden Versorgung mit L-Carnitin gerät man leicht in eine Zwickmühle: Einerseits wird bei Arthrose dazu geraten auf rotes Fleisch zu verzichten und statt dessen Geflügelfleisch zu füttern, andererseits enthält Geflügelfleisch leider relativ wenig L-Carnitin, das aber für die Funktion des Herzmuskels wichtig ist. (Auch in den meisten Fertigfuttern ist zu wenig L-Caritin enthalten!) Daher sollte man die Ernährung des alten Hundes ausführlich mit dem Tierarzt besprechen und wirklich regelmäßig einen Seniorencheck beim Tierarzt machen lassen. Es gibt Präparate, wie zum Beispiel Herz-Vital von Canina, die L-Carnitin in Kombination mit Weißdorn zur Stärkung des Herzens enthalten. Von einer Selbstmedikation "ins blaue hinein" ist jedoch abzuraten. Solche Dinge sollten mit dem Tierarzt besprochen werden. Ganz dringend abzuraten, ist eine Zufütterung von L-Carnitin, das als Nahrungsergänzungsmittel für Menschen angeboten wird! Solche Produkte enthalten oft Zusätze wie Süssstoffe und Natriumbenzoat (E 211), die für Hunde tödlich sein können!

Fütterung

  • Das Futter für ältere Hunde sollte in Menge und Fettgehalt reduziert, dafür aber reich an hochwertigem Eiweiß und leicht verdaulichen Fetten sein. (Siehe auch: Fisch )
  • Die Beschränkung auf eine Sorte Fleisch pro Mahlzeit kann die Verdaulichkeit verbessern.
  • Eine altersgemäße Vitamin- und Mineralstoffzusammensetzung im Futter. Das Futter sollte hochwertig und leicht verdaulich sein und in 2-3 kleineren Portionen gereicht werden.
  • Verschiedene Experten sind ferner der Ansicht, dass rotes Fleisch (wie zum Beispiel Rind) und Produkte, die Weizen beinhalten, insbesondere bei Hunden mit Arthrose gemieden werden sollten. Es wird zu hellem Fleisch (Geflügel) und Fisch geraten, gleichzeitig zu einem sparsamen Umgang mit Getreide. Allerdings ist hierbei noch nicht eindeutig bewiesen ob das Getreide an sich das Problem ist, oder - wie einige Experten meinen - eher die chemischen Rückstände von Kunstdünger, Pestiziden und Herbiziden, die im konventionell angebauten Getreide leider üblich sind.
  • Sehr gut geeignet als Cerealie bei der Fütterung alterer Hunde ist dagegen die Hirse. Sie ist glutenfrei (frei von Klebereiweiss) und enthält ein Protein, das nachweislich keine Allergien auslöst. Um die gesundheitlichen Vorzüge der Hirse Ranken sich Legenden. Bei den Chinesen gehörte sie zu den 5 heiligen Pflanzen. Gerade im Alter, bei Knochen-, Arthrose- und anderen Gelenksbeschwerden, wird Hirse in der menschlichen Ernährung sowie für Hunde mit Arthrose und anderen Gelenkerkrankungen empfohlen. Hinzu kommt, dass die Hirse auch für ihrem positiven Einfuss auf Haut und Haar bekannt ist. Gerade älteren Hunde, für deren Stoffwechsel der Fellwechsel oft eine große Herausforderung darstellt, kann die Hirse hilfreich sein.

    In dieser PDF-Datei, die Ernährungsempfehlungen für Krebskranke Menschen gibt, wird die Hirse sogar in der Liste der Radikalfänger, Tumorhemmstoffe, schützenden und heilenden Substanzen geführt. Wir möchten an dieser Stelle jedoch ausdrücklich darauf hinweisen, dass bisher noch nicht untersucht bzw. erwiesen wurde, ob diese Angaben - die sich ja wie gesagt auf die menschliche Ernährung beziehen - so auch auf den Hund übertragbar sind.

Bewegung

  • Regelmäßige und gleichmäßige Bewegung ist auch für den alten Hund gut & wichtig. Ideal sind mehrere kurze Spaziergänge mit gleichbleibender Belastung. Art und Umfang der Bewegung sollten individuell an die jeweilige Fittness und an die Bedürfnisse des einzelnen Hundes angepasst werden. (Siehe auch Vitagility, Arthrose, Physiotherapie)

Pflege

  • Das Gebiss des Hundesseniors sollte regelmäßig auf Zahnstein überprüft werden. Zahnstein greift nicht nur Zähne und Zahnfleisch an, er kann auch zu schweren Herzbeschwerden führen. Übermäßiger Zahnstein muss vom Tierarzt entfernt werden. Um der Zahnsteinbildung vorzubeugen, sollten die Hundezähne regelmäßig gereinigt werden. Keine Angst - die meisten Hundesenioren lassen sich das besser gefallen, als die Besitzer zunächst oft annehmen. (Siehe auch: Zahnpflege beim Hund Teil 1 / Teil 2)
  • Gerade ältere Hunde sollten regelmäßig auf Hautveränderungen abgetastet werden. In Verbindung mit einer leichten Massage oder ausgiebigem Bürsten (je nach Vorliebe des Hundes) genießt er diese Prozedur in der Regel sehr. Sollten sich dabei Knoten ertasten lassen oder optische Hautveränderungen zeigen, sollte der Hund dem Tierarzt vorgestellt werden.
  • Liegeschwielen, die bei älteren Hunden gelegentlich an den Ellbogengelenken auftreten können durch einen weich gepolsterten Liegeplatz vermieden werden. Sind sie doch entstanden, können sie mit einer unparfümierten Fettsalbe gepflegt werden. Häufiges Baden ist zu vermeiden, da es die Haut zu sehr austrocknet und ältere Hunde ohnehin zu trockener Haut neigen.
  • Augen, Ohren und sonstige Körperöffnungen des Hundes sollten ebenfalls regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls mit einem feuchten Tuch gereinigt werden.
Ich wünsche euch weiterhin viel, viel Freude mit den Hundesenioren und allen Kollegen ein langes, glückliches & gesundes Leben!

Bis bald, euer Alex (Alexander Bömbelmann ;o)
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Kommentare:

  1. Jörg Schumacher7. Januar 2008 um 16:06

    Das Thema "Zahnpflege" bei einem älteren Hund ist wichtig - besonders dann, wenn der Hund wie bei uns "alt" ins Haus kommt. Manchmal kann die Bahndlung drastisch werden, wenn sich die Vorbesitzer nicht regelmäßig gekümmert haben - für den Hund und den Geldbeutel.
    siehe Hier

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  2. Sehr guter Beitrag. Ich habe selber einen Hundesenior (11 Jahre) und suche ständig nach Ideen ihm das älter werden so angenehm wie möglich zu machen, deswegen interessieren mich solche Beiträge besonders.

    Viele Grüsse

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  3. Ein sehr informativer Beitrag, wie alle Beiträge, die ich jetzt hier in der Rubrik alte Hunde / ältere Hunde gelesen habe.

    Unser alter Hundeherr (inzwischen 13) hatte zwischenzetlich mal Probleme als er 11 war. Er war wackelig nach dem aufstehen und wirkte dann fast etwas benommen. Wir dachten schon, es geht auf das Ende zu, aber der Tierarzt konnte uns beruhigen und hat ihm Karsivan verschrieben. Die bekommt er seitdem regelmäßig und es geht ihm immer noch prima. Die Tabletten sorgen einfach dafür, dass mehr Sauerstoff ins Blut gelangt und so alles gut mit Sauerstoff versorgt wird.

    Wir hoffen auf viele weitere Beiträge zum Thema alte Hunde, denn die verfolgen wir immer mit besonders großem Interesse.

    Alles liebe und gute
    Tina und Chaco

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