In den letzten Jahren häufen sich Berichte von Hundebesitzern, die aussagen, dass der Fellwechsel-Rhythmus aus dem Takt gekommen scheint und die Hunde das ganze Jahr über haaren. Das mag zum einen daran liegen, dass in der Wohnung Temperatur und Helligkeit recht gleichmäßig sind, zum anderen evtl. auch daran, dass auch das Wetter manchmal nicht mehr so recht zu wissen scheint, ob nun Sommer oder Winter ist. Tägliches Bürsten bzw. kämmen kann dem Hund den Fellwechsel erleichtern, reicht aber manchmal nicht aus.
Zieht sich der Fellwechsel extrem lange hin, belastet das den gesamten Stoffwechsel stark. In manchen Fällen zeigen Hunde dann auch vermehrten Appetit, weil sie spüren, dass ihnen bestimmte Nährstoffe fehlen. Gerade bei älteren Hunden können aber auch zu hohe Eiweißgaben zusätzlich Probleme bereiten. Oft trocknet die Haut stark aus, wenn sich der Fellwechsel zu lange hinzieht. Es kann zu Schuppenbildung, Hautreizungen, Hautrötungen und Juckreiz kommen - deutliche Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt und der Stoffwechsel Unterstützung braucht.
Essentielle Fettsäuren sind unentbehrlich für eine gesunde und gepflegte Haut. Als Wirkstoffquelle dienen zum Beispiel Borretschöl, das cis-Linolsäure und Gamma-Linolensäure in hoch konzentrierter Form enthält, sowie Fischöl. Wichtig ist hierbei ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Omega 6 und Omega 3 Fettsäuren. (Optimal ist ein Verhältnis von 5-10: 1)
Vitamin A ist wichtig für die Funktion der Talgdrüsen und spielt eine wichtige Rolle bei der Hautregeneration.
B-Vitamine spielen eine wichtige Rolle für den Stoffwechsel der Fettsäuren.
Zink fördert die Erneuerung der Epidermis (Oberhaut) und die Wundheilung der Haut.
Biotin (Vitamin H) beugt dem Austrocknen der Haut, Haarausfall und Schuppenbildung vor.
Ein synergetischer Komplex aus Vitaminen und Aminosäuren beugt einem Austrocknen der Haut vor und unterstützt den Organismus bei der Bildung von gesunder Haut und gesundem Haar. Entsprechende Präparate (als Öl oder Kapseln) gibt es beim Tierarzt.
Hirse als Cerealie in der Ernährung des Hundes kann ebenfalls hilfreich sein, um gut über den Fellwechsel zu kommen. Für ihren positiven Einfluss Hirse auf Haut & Haar ist die Hirse seit jeher bekannt, weil sie einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, dazu Vitamin E und das Provitamin A enthält. Hinzu kommen Vitamine des B Komplexes, jede Menge Mineralstoffe und Spurenelemente. Außerdem ist Hirse glutenfrei, und enthält ein Protein, das nachweislich keine Allergien auslöst. Es empfiehlt sich daher, andere Getreidearten durch Hirse zu ersetzen - nicht nur für den Fellwechsel. Mehr zur
Hirse in der Hundeernährung hier.
Manche Hundebesitzer schwören auch auf ein einfaches Hausmittel, um ihren Vierbeinern den Fellwechsel zu erleichtern: Die Gabe von Sonnenblumenöl, denn auch das enthält ungesättigte Fettsäuren. Pro Zehn Kilo Gewicht geben Freunde dieses Hausmittels einen Esslöffel davon zum täglichen Futter. Übertreiben sollte man die Öl-Gaben aber nicht: Es ist darauf zu achten, dass die Tiere keinen Durchfall bekommen, also langsam daran gewöhnen. Ferner sollte man unbedingt das Gewicht des Hundes im Auge behalten, denn das Öl enthält natürlich auch einige Kalorien!
Rohes Ei für schönes Fell? Vorsicht!Dieser Rat, den sich Hundehalter im Netz oft gegenseitig geben, wirkt sich eher kontraproduktiv auf Hautprobleme und Fellprobleme beim Hund aus. Vom rohen Ei sollte man - wenn überhaupt - nur das Eigelb füttern, nicht das Eiklar! Es hat zwar einen sehr hohen Anteil an hochwertigem Eiweiß, aber in rohem Zustand enthält es Stoffe, welche die Verdauung von Eiweiß stark einschränken. Darüber hinaus enthält rohes Eiklar es ein Protein, das Biotin bindet. Dadurch wird dieses für Haut und Fell so wichtige Vitamin für den Organismus nicht mehr verfügbar - also wirkt sich das rohe Ei langfristig eher negativ auf Haut- und Fellprobleme aus. Und nicht zu vergessen ist bei rohen Eiern leider auch an das Salmonellenrisiko. Unter anderem nachzulesen in dieser pdf-Datei:
www.tierer.uzh.ch/te_pdf/Schoggi.pdf (von Dr. med. vet. Annette Liesegang, Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich, Institut für Tierernährung.)
Da Probleme mit dem Fellwechsel aber auch Stressbedingt sein, oder auch hormonelle Ursachen haben können, (z. B. nach einer Kastration), kann eine Absprache mit dem Tierarzt meiner Meinung nach aber nicht schaden, bevor man zur Selbstmedikation mit Hausmitteln greift. Denn in manchen Fällen reicht Sonnenblumenöl allein eben nicht aus. In dem Buch "Der vitale Hund" erklärt Dr. med.vet. Volker Wienrich leicht verständlich, welche Vitamine für welche Funktionen im Körper zuständig sind. Zwar kommen die guten Eigenschaften der Hirse meiner Meinung nach in diesem Buch etwas zu kurz, aber ansonsten ist es auf jeden Fall ein interessantes & lesenswertes Buch.
Der vitale HundDas Ernährungsbuch vom Tierarzt. Das Handbuch für Halter, Züchter und Hundesportler

Bis bald, euer Alex (Alexander Bömbelmann ;o)
PS: Es gibt übrigens auch einige Rassen, bei denen sich das Haar vornehmlich in der Wachstumsphase befindet. Es wächst kontinuierlich und fällt kaum aus. Haarausfall ist bei diesen Tieren so gut wie nicht feststellbar. Dies ist Beispeilsweise beim Pudeln und Yorkshire Terrier der Fall. Wegen diese Eigenschaft züchtet man seit Mitte der 90-er Jahre den "Golden Doodle", eine Kreuzung aus Pudel und Golden Retriever. Weil er nicht, oder kaum haart, soll er auch für Hundehaar-Allergiker geeignet sein.
Nachtrag: Ein sehr praktisches Utensil zum Entfernen von Tierhaaren aus Polstern, Teppichen, Autositzen und Textilien stellen wir euch hier ausführlich vor.
Einige weitere Informationen darüber, welchen Einfluss die Ernährung auf die Gesundheit, bzw. auch Haut & des Hundes hat, haben wir auch in dem Artikel "Selber kochen für den Hund" beschrieben.