Freitag, 28. Dezember 2007

30 000 ausgesetzte Hunde in Moskau - China-Restaurants verarbeiten kranke Hunde zu "Lammfleisch"

Der Stern veröffentlichte heute morgen einen Artikel, der mir die Sprache verschlug. Wie es in dem Stern-Bericht heißt, wird die Stadt Moskau der Lage nicht Herr: Ca. 30 000 ausgesetzte Hunde machen in Rudeln die Stadt unsicher, heißt es dort. Als Welpen werden sie unüberlegt auf der Straße gekauft, wenn sie ausgewachsen sind kurzerhand wieder ausgesetzt und vermehren sich dann unkontrolliert weiter. Tierschützer vor Ort, versuchen das Problem in den Griff zu bekommen, planen 15 neue Tierheime zu errichten. Sie fanden auch heraus, dass eine Chinarestaurant-Kette die zumeist kranken Tiere geschlachtet, und ihren Gästen als "Lammfleisch" verkauft hatte. Dies bestätigt auch der Sprecher der Lebensmittelkontrolle, wie es im Sternbericht heißt.

Wichtige Anmerkung dazu: In dem Bericht des Stern - so empfinde ich persönlich es zumindest - klingt unterschwellig leider wieder die Botschaft mit "Hunde sind böse, Hunde sind gefährlich, Kampfhunde sind sowieso immer ganz böse". Es mag zutreffen, dass diese streunenden Hunde in Moskau oft aggressiv sind. Von Freunden, die sehr lange in Russland gelebt haben, weiß ich aber zufällig, dass es in Russland leider durchaus üblich ist, Hunde bewusst aggressiv zu machen. Wie mir ein guter Freund berichtete, gilt dort die Devise: "Ein guter Hund muss böse sein, sonst taugt er nichts!"

In Russland werden Hunde in der Regel eben nicht als Haustiere angesehen, sondern eher als Nutztiere - mit dem "Zweck" möglichst abschreckend zu wirken und Haus und Hof mit allen Mitteln zu verteidigen. Hunde, die nicht "scharf" genug sind, werden oft misshandelt, um die von den Menschen gewünschte Aggression zu fördern. Gelingt dies nicht, und wird der Hund nicht so aggressiv wie die Besitzer es wünschen, so wird er auch nicht mehr weiter mit "durchgefüttert", sondern kurzerhand aus dem Haus oder vom Hof verjagt. Dies ist nicht die Ausnahme, sondern leider die Regel. Es ist also gut möglich, dass die Hunde dort tatsächlich aggressiv und gefährlich sind. Das Problem ist dann allerdings - wie immer - vom Menschen verursacht, nicht vom Hund. Das sollte man bedenken, wenn man den Stern-Artikel liest, in dem davon die Rede ist, dass die Hunde die Menschen in Russland "terrorisieren" und angreifen. FAKT ist doch: Hätte man die Hunde rechtzeitig vor den Menschen geschützt - vor den Menschen, die sie misshandelt, aggresiv gemacht und ausgesetzt haben - so müsste man sich heute keine Gedanken darüber machen, wie man die Menschen vor den verwilderten Hunden schützen kann. Warum begreifen die Menschen das nicht?

Traurige Grüße, euer Alex (Alexander Bömbelmann)

PS: Und Frauchen ist einmal mehr froh darüber, Vegetariern zu sein...
.

Kommentare:

  1. Nachtrag zum Artikel: Ich hatte es schon geahnt - der Stern gießt mit dem Artikel einmal mehr Wasser auf die Mühlen der Hundhasser. “Unfassbar, aus 'Tierschutzgründen' werden die Köter nicht angeknallt!” und “Tierschutz in allen Ehren, aber das geht eindeutig zu weit!”, entrüsten sich Leser im Kommentarbereich des Artikels.

    Das Problem ist allerdings meiner Meinung aber nicht ein zuviel an Tierschutz, sondern eindeutig ein ZU WENIG! Würden dort die Misshandlung von Hunden, das aggressiv MACHEN und das Aussetzen dieser Hunde durch konsequente Gesetze UND deren Ausübung unterbunden, so gäbe es das Problem dort doch gar nicht. Ist denn das so schwer zu begreifen? Es ärgert mich, dass durch die - meiner Meinung nach - mal wieder recht einseitige Berichterstattung seitens des Stern der Hund wieder als “wilde, unberechenbare Bestie” dargestellt wird. Aber leider lässt sich das Märchen vom “bösen Wolf” ja immer wieder gut verkaufen...

    AntwortenLöschen
  2. Ich kenne auch jemanden aus Russland, von dem habe ich ähnliches gehört, wie das was du hier beschreibst. Die Hunde werden angekettet, mit Knüppeln geprügelt und man lässt sie oft hungern, damit sie möglichst gefährlich werden. Wer nicht gefährlich genug wird, wird entweder getötet oder einfach ausgesetzt. Also mal wieder ein "hausgemachtes" Problem. :-(

    War ja klar, dass die Hintergründe nicht beleuchtet werden. So ist die Story ja viel reißerischer.. :-(

    AntwortenLöschen
  3. Hi Alex,
    Thanks for coming by my blog. I just tried to do the english translation again and it does not work so well. It goes back a few months, and does not translate December. Oh well, technology! I still like looking at your blog and all the photos!
    Maybe my mom will have to brush up on her Greman from high school!
    Happy New Year!
    --JB

    AntwortenLöschen
  4. Hi Alex
    Langsam frage ich mich, ob es heutzutage nur noch schlechte Nachrichten aus der Tierwelt gibt. Ich habe heute den Bericht auch gelesen und bin ganz deiner Meinung. Wie der Mensch, so der Hund. Hunde werden so, wie der Mensch diese behandelt. Es sind wie immer die Menschen, die Hunde zu dem machen, was sie sind. Selbst Wölfe sind eigentlich zahme Tiere, was man oft bei Menschen, die wölfe großziehen und mit denen Leben, sieht.
    Nur will das keiner verstehen und weil das keiner versteht, machen die halt die Hunde dafür verantwortlich!
    Was das mit den Chinesen angeht. Ich finde das echt unter aller sau. Wenn die schon Hunde essen müssen, dann sollen diese das Hundefleisch auch als Hundefleisch ausgeben und nicht als "Lamm"! Noch ein Grund, warum ich schon lange nicht mehr chinesisch essen gehe.
    Wir Tierfreunde müssen nunmal zusammenhalten um solchen Taten ein Ende bereiten zu können, allerdings sind wir, wie du schon gesagt hast ZU WENIG um etwas GRO?ES bewegen zu können :(

    AntwortenLöschen
  5. Ja Salva, du hast vollkommen Recht. Es ist mir unbegreiflich, dass Tierquälerei immer noch fast überall auf der Welt bagatellisiert und geduldet, teilweise sogar als “völlig normal” angesehen wird.

    Und leider hat der Mensch offenbar bis heute noch nicht begriffen, dass er für sein Handeln verantwortlich ist. Kaum jemand nimmt Notiz davon, dass täglich Millionen Tiere gequält und misshandelt werden. Erst wenn dadurch dann Menschen zu Schaden kommen, ist das Geschrei groß.

    Dass man Tiere überhaupt vor Menschen schützen muss, dass es nicht einfach selbstverständlich ist, anderes Leben mit Respekt zu behandeln, ist meiner Meinung nach ohnehin schon ein Armutszeugnis, für eine Spezies, die sich doch selbst als das “höchst entwickelte Wesen im Universum” bezeichnet.

    Dass der Tierschutz aber dann auch noch von Gesetzeswegen und der Gesellschaft so gut wie keine Unterstützung erhält ist noch trauriger.

    AntwortenLöschen
  6. Hundefleisch als Lamm zu verkaufen finde ich auch ziemlich krass, da bin ich der gleichen Meinung wie salva. Wenn schon, dann sollen sie es gefälligst auch sagen, was für Fleisch das ist.

    Blöde Witze dieser Art gibt es ja viele über Chinarestaurants. Aber scheinbar sind die ja gar nicht so weit her geholt. Unglaublich!

    AntwortenLöschen
  7. Hiho Alex,

    der Originalartikel hätte mich nun brennend interessiert, leider kann ich ihn auf stern.de nicht (mehr?) finden. Mailst du mir mal den Link?

    Merci & wuff
    Happy

    AntwortenLöschen
  8. Hi Happy,

    im letzten Absatz meines Artikels ist der Stern-Artikel doch verlinkt. ;o) Hier nochmal: Stern-Artikel

    LG Alex

    AntwortenLöschen
  9. Ich finde das auch unglaublich trauig!
    Wie man sieht, ist das Problem der Mensch. Das ist leider sehr oft so!
    Was meinst Du, was es in der Welt für Tierquälereien und sinnlose Abschlachtereieen gibt, von denen wir nicht einmal ansatzweise erfahren?
    Wenn ich sowas lese (wie das über den reisserischen Sternartikel) dann fühle ich mich komplett ohnmächtig!
    Wo sind da die Tierschutzorganisationen?
    LG
    Niwi

    AntwortenLöschen
  10. @ Niwi: Die Tierschützer tun was sie können. Immerhin haben sie erstmal ein Abschussverbot erwirkt und kastrieren die Hunde, damit sie sich nicht noch weiter vermehren. 15 Tierheime sind geplant.

    Solange es aber keine gesetzlichen Möglichkeiten gibt, mehr gegen die Tierquälerei zu tun, (das aggressiv machen der Hunde durch Misshandlung und das Aussetzen), kann auch die Ursache nicht behoben werden. Denn es werden ja täglich weitere Hunde ausgesetzt.

    Das ist leider wie immer und überall auf der Welt das alte Problem: Tierschutz interessiert nur wenige, und schon gar nicht die Gesetzgeber. Daher sind Tierschutzorganisationen relativ machtlos und können nur versuchen die "Symptome" zu lindern, aber leider nicht die Ursachen bekämpfen. Und das ist nicht nur in Russland so, sondern überall auf der Welt.

    AntwortenLöschen

Related Posts with Thumbnails