Montag, 5. November 2007

Hunde & Kinder - so werden sie zum Dreamteam

Da der Artikel "Beißattacken - Unfälle oder vorprogrammiert" euch scheinbar genau so aufgeregt hat wie mich, möchte ich heute noch mal darauf zurückkommen. Schließlich will ich nicht nur meckern, sondern auch Vorschläge machen, wie es besser geht. Wie einige von euch schon wissen, habe ich den größten Teil meines Lebens in Reitställen verbracht, und hatte so immer viel Kontakt mit sehr vielen verschiedenen Kindern. Ich liebe Kids, und die Kids lieben mich.


Nun, ich bin auch von Natur aus sehr behutsam im Umgang mit Kindern. (Siehe auch Alex, der Kinderflüsterer.) Leckerchen nehme ich sehr vorsichtig, und ich habe zum Beispiel auch überhaupt kein Problem damit, wenn ein Kind es sich dann plötzlich anders überlegt, und mir das Leckerli wieder aus dem Maul fischt. Was soll’s, ich mache mir keine Sorgen, denn ich weiß, Frauchen wird dem Zwerg gleich erklären, dass es nicht nett ist, dem Hund das Leckerli wieder wegzunehmen. Der Vergleich “wie würdest du es finden, wenn ich dir erst einen Lolli gebe und ihn dir dann wieder wegnehme” zieht immer. ;o) Trotzdem hatte Frauchen immer wenn Kinder in der Nähe waren, ein sehr wachsames Auge auf uns, denn Kinder wissen nun einmal nicht von Geburt an, wie man mit Hunden umgeht. Kids haben verrückte Ideen - nicht selten kommt es vor, dass sie sich auf einen Hund draufsetzten wollen oder ähnliches.


Oft fiel uns auf, dass Eltern den Kids dann mit den Worten drohen: “Das darfst du nicht, dann beißt der dich!” Mit solchen Drohungen können die Kids nach unserer Erfahrung aber wenig anfangen. Zumindest dann nicht, wenn sie den Hund als gutmütigen Freund kennen gelernt haben. Noch wirkungsloser wird diese Drohung, wenn sie es schon mehrfach versucht haben und bisher nie etwas passiert ist. Ähnlich, wie ein Kleinkind, das sich noch nie die Finger verbrannt hat, mit dem Begriff “heiß” wenig anfangen kann, hat es auch keine Vorstellung davon, was es heißt, von einem Hund gebissen zu werden. Und diese Erfahrung sollte man dem Kind (und dem Hund!) unbedingt ersparen.

Besser bewährt hat es sich, den Kindern ruhig und freundlich zu erklären, dass auch Tiere Schmerzen empfinden. Dass zum Beispiel ein Hunderücken nicht so stark ist wie ein Pferderücken und der Hund schwer verletzt werden kann, wenn Kids ihn zum Pony umfunktionieren wollen. Kein Kind möchte einem Tier mit Absicht Schmerzen zufügen - und schon gar nicht so schwer verletzen, dass es den Hund als “Spielkameraden” verliert. Unserer Erfahrung nach, hat es sich sehr gut bewährt, den Kids zu zeigen, was der Hund gerne hat, und ihnen seine Reaktionen zu erklären. (Beispiel: “Schau mal, wenn du ihn hier ganz sanft kraulst, legt er den Kopf zur Seite und genießt das“ usw.) Und wenn man dem Kind dann erklärt: "Schau, wenn dir jemand weh tun würde, würdest du dich ja auch wehren", dann versteht das Kind auch die Gefahr gebissen zu werden. Besonders dann, wenn man auch noch erklärt, dass der Hund sich eben nicht anders wehren kann, als mit seinen Zähnen und der Hund auch nicht ahnen kann, dass die menschliche Haut ja nicht von einem Fell gegen den Biss geschützt wird, so wie es bei seinen Artgenossen der Fall ist.

Kinder sind extrem wissbegierig, wenn es darum geht etwas über Hunde zu lernen. Und ihr erlerntes Wissen geben sie bereitwillig und stolz auch gerne an andere Kinder weiter. Auch müssen Kinder lernen, dass Hunde nicht rund um die Uhr zum Spielen zur Verfügung stehen. Sie müssen akzeptieren lernen, dass der Hund eine Pause braucht, wenn er sich zurückzieht. Meiner Erfahrung nach klappt das auch prima - wenn man es den Kids vernünftig erklärt, sind sie stolz, so viel über Hunde zu wissen und halten sich meist auch daran. Trotzdem sollte man Kinder und Hunde nie unbeaufsichtigt miteinander spielen lassen! Egal wie lieb der Hund ist - damit es eine lange und glückliche Freundschaft bleibt, muss man immer ein Auge darauf haben, was die Kinder mit dem Hund anstellen wollen und dann ggf. rechtzeitig eingreifen. Um den Hund zu schützen und um die Kinder davor zu schützen, dass der Hund irgendwann zur Notwehr greifen muss.

Bis bald, euer Alex (der Kinderflüsterer ;o)
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Nachtrag: Es gibt inzwischen auch schon Hundschulen, die in speziellen Kursen besonders auf Hunde & Kinder eingehen. Animal learn, zum Beispiel. Ein Konzept, das gewaltfrei eine auf Vertrauen und Vertsehen basierende Hundeerziehung vermittelt. Hier eine Übersicht, wo Trainer des Animal Learn Netzwerks zu finden sind. Weitere Tipps zur Wahl der richtigen Hundeschule gibt es hier.

Für Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren ist auch das interaktive Lernspiel "Der blaue Hund" zu empfehlen, das Kindern und Eltern spielerisch den richtigen Umgang mit dem Hund vermittelt.

Ein höchst alarmiernder Erlebnisbericht und ein dringender Appell an alle Eltern hier
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