Sonntag, 21. Oktober 2007

Fellwechsel beim Hund und welche Rolle die Ernährung des Hundes dabei spielt

Zweimal im Jahr ist es soweit - wir Vierbeiner müssen uns ein neues Haarkleid „stricken“. Dies stellt eine große Herausforderung für unseren Stoffwechsel dar. Besonders bei langhaarigen Hunden, und Hunden mit sehr dichtem Fell hat der Stoffwechsel viel zu tun. Der Zeitpunkt des Fellwechsels wird von der Tageslichtdauer und der Temperatur beeinflusst und findet üblicherweise im Frühjahr und Herbst statt. Normalerweise sollte der gesamte Haarwechsel mit Ausfall und Neuwuchs 6 - 7 Wochen dauern. Bei jüngeren Hunden vollzieht er sich oft schneller, bei älteren Hunden kann es etwas länger dauern.

In den letzten Jahren häufen sich Berichte von Hundebesitzern, die aussagen, dass der Fellwechsel-Rhythmus aus dem Takt gekommen scheint und die Hunde das ganze Jahr über haaren. Das mag zum einen daran liegen, dass in der Wohnung Temperatur und Helligkeit recht gleichmäßig sind, zum anderen evtl. auch daran, dass auch das Wetter manchmal nicht mehr so recht zu wissen scheint, ob nun Sommer oder Winter ist. Tägliches Bürsten bzw. kämmen kann dem Hund den Fellwechsel erleichtern, reicht aber manchmal nicht aus.

Zieht sich der Fellwechsel extrem lange hin, belastet das den gesamten Stoffwechsel stark. In manchen Fällen zeigen Hunde dann auch vermehrten Appetit, weil sie spüren, dass ihnen bestimmte Nährstoffe fehlen. Gerade bei älteren Hunden können aber auch zu hohe Eiweißgaben zusätzlich Probleme bereiten. Oft trocknet die Haut stark aus, wenn sich der Fellwechsel zu lange hinzieht. Es kann zu Schuppenbildung, Hautreizungen, Hautrötungen und Juckreiz kommen - deutliche Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt und der Stoffwechsel Unterstützung braucht.

Essentielle Fettsäuren sind unentbehrlich für eine gesunde und gepflegte Haut. Als Wirkstoffquelle dienen zum Beispiel Borretschöl, das cis-Linolsäure und Gamma-Linolensäure in hoch konzentrierter Form enthält, sowie Fischöl. Wichtig ist hierbei ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Omega 6 und Omega 3 Fettsäuren. (Optimal ist ein Verhältnis von 5-10: 1)

Vitamin A ist wichtig für die Funktion der Talgdrüsen und spielt eine wichtige Rolle bei der Hautregeneration.

B-Vitamine spielen eine wichtige Rolle für den Stoffwechsel der Fettsäuren.

Zink fördert die Erneuerung der Epidermis (Oberhaut) und die Wundheilung der Haut.

Biotin (Vitamin H) beugt dem Austrocknen der Haut, Haarausfall und Schuppenbildung vor.

Ein synergetischer Komplex aus Vitaminen und Aminosäuren beugt einem Austrocknen der Haut vor und unterstützt den Organismus bei der Bildung von gesunder Haut und gesundem Haar. Entsprechende Präparate (als Öl oder Kapseln) gibt es beim Tierarzt.

Hirse als Cerealie in der Ernährung des Hundes kann ebenfalls hilfreich sein, um gut über den Fellwechsel zu kommen. Für ihren positiven Einfluss Hirse auf Haut & Haar ist die Hirse seit jeher bekannt, weil sie einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, dazu Vitamin E und das Provitamin A enthält. Hinzu kommen Vitamine des B Komplexes, jede Menge Mineralstoffe und Spurenelemente. Außerdem ist Hirse glutenfrei, und enthält ein Protein, das nachweislich keine Allergien auslöst. Es empfiehlt sich daher, andere Getreidearten durch Hirse zu ersetzen - nicht nur für den Fellwechsel. Mehr zur Hirse in der Hundeernährung hier.

Manche Hundebesitzer schwören auch auf ein einfaches Hausmittel, um ihren Vierbeinern den Fellwechsel zu erleichtern: Die Gabe von Sonnenblumenöl, denn auch das enthält ungesättigte Fettsäuren. Pro Zehn Kilo Gewicht geben Freunde dieses Hausmittels einen Esslöffel davon zum täglichen Futter. Übertreiben sollte man die Öl-Gaben aber nicht: Es ist darauf zu achten, dass die Tiere keinen Durchfall bekommen, also langsam daran gewöhnen. Ferner sollte man unbedingt das Gewicht des Hundes im Auge behalten, denn das Öl enthält natürlich auch einige Kalorien!

Rohes Ei für schönes Fell? Vorsicht!

Dieser Rat, den sich Hundehalter im Netz oft gegenseitig geben, wirkt sich eher kontraproduktiv auf Hautprobleme und Fellprobleme beim Hund aus. Vom rohen Ei sollte man - wenn überhaupt - nur das Eigelb füttern, nicht das Eiklar! Es hat zwar einen sehr hohen Anteil an hochwertigem Eiweiß, aber in rohem Zustand enthält es Stoffe, welche die Verdauung von Eiweiß stark einschränken. Darüber hinaus enthält rohes Eiklar es ein Protein, das Biotin bindet. Dadurch wird dieses für Haut und Fell so wichtige Vitamin für den Organismus nicht mehr verfügbar - also wirkt sich das rohe Ei langfristig eher negativ auf Haut- und Fellprobleme aus. Und nicht zu vergessen ist bei rohen Eiern leider auch an das Salmonellenrisiko. Unter anderem nachzulesen in dieser pdf-Datei: www.tierer.uzh.ch/te_pdf/Schoggi.pdf (von Dr. med. vet. Annette Liesegang, Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich, Institut für Tierernährung.)

Da Probleme mit dem Fellwechsel aber auch Stressbedingt sein, oder auch hormonelle Ursachen haben können, (z. B. nach einer Kastration), kann eine Absprache mit dem Tierarzt meiner Meinung nach aber nicht schaden, bevor man zur Selbstmedikation mit Hausmitteln greift. Denn in manchen Fällen reicht Sonnenblumenöl allein eben nicht aus. In dem Buch "Der vitale Hund" erklärt Dr. med.vet. Volker Wienrich leicht verständlich, welche Vitamine für welche Funktionen im Körper zuständig sind. Zwar kommen die guten Eigenschaften der Hirse meiner Meinung nach in diesem Buch etwas zu kurz, aber ansonsten ist es auf jeden Fall ein interessantes & lesenswertes Buch.



Der vitale Hund
Das Ernährungsbuch vom Tierarzt. Das Handbuch für Halter, Züchter und Hundesportler



Bis bald, euer Alex (Alexander Bömbelmann ;o)

PS: Es gibt übrigens auch einige Rassen, bei denen sich das Haar vornehmlich in der Wachstumsphase befindet. Es wächst kontinuierlich und fällt kaum aus. Haarausfall ist bei diesen Tieren so gut wie nicht feststellbar. Dies ist Beispeilsweise beim Pudeln und Yorkshire Terrier der Fall. Wegen diese Eigenschaft züchtet man seit Mitte der 90-er Jahre den "Golden Doodle", eine Kreuzung aus Pudel und Golden Retriever. Weil er nicht, oder kaum haart, soll er auch für Hundehaar-Allergiker geeignet sein.

Nachtrag: Ein sehr praktisches Utensil zum Entfernen von Tierhaaren aus Polstern, Teppichen, Autositzen und Textilien stellen wir euch hier ausführlich vor.

Einige weitere Informationen darüber, welchen Einfluss die Ernährung auf die Gesundheit, bzw. auch Haut & des Hundes hat, haben wir auch in dem Artikel "Selber kochen für den Hund" beschrieben.

Kommentare:

  1. Bei Briards gibt es keinen Fellwechsel :-) Und wir müssen auch nicht geschoren und getrimmt werden. Nur manchmal gekämmt.

    Wuffwuff
    Merlin und Dojan

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  2. Oh, wie praktisch! Ich glaube, im nächsten Leben werde ich auch ein Briard. ;o)

    LG Alex

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  3. Sehr interessanter Artikel.

    Eventuell könnten wir uns gegenseitig verlinken.

    Würde mich über einen Besuch von dir freuen.

    www.dajosch.ch

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  4. Irische Wolfshundpudel haaren auch fast gar nicht. Müssen aber regelmäßig unter den CoatKing, weil sie sonst graue Briards werden. :)) Ich bin bald wieder fällig.

    Seufzend
    Banjo

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  5. hi Alex,
    früher hatten wir auch noch drei Malamutes, die haaren auch ganz schön.
    Mit den Haaren haben sich sämtliche Vögel aus der Umgebung ihre Nester ausgelegt.
    Schlau, die Piepmätze!
    LG
    Niwi

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  6. Tibet-"Terrier" haben auch keinen Fellwechsel. Sie müssen auch nicht geschoren werden. Getrimmt schon gar nicht. Aber sie müssen etwas mehr als manchmal gekämmt werden. Bürsten reicht übrigens nicht.

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  7. Vielen Dank für diese hilfreiche Information. Mein Hund haart auch ständig, hat richtig stumpfes Fell, Juckreiz und schuppige Haut. In Foren und auf Ratgeberseiten habe ich nur Antworten bekommen wie "Das ist der Fellwechsel, da muss man durch, da hilft nur bürsten usw." Solche wirklich erklärenden und hilfreichen Angaben zu dem Thema habe ich noch nirgendwo gefunden. Vielen Dank dafür!

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  8. Habe ne Briard Bearded Colli Mischlingshündin ist 1 1/2 Jahre und hat durchgehend Haarausfall.
    Ich bürste Sie jeden Tag, habe mehrmals Futter gewechselt und Sie beim Arzt durch checken lassen, alles ohne Erfolg.
    Sie haart so schlimm das ich mir mit Ihrem Fell Pullover flechten könnte. Um das mal ansehnlicher zu erklären in einer Woche schaffe ich mit Ihrem Fell ein Kissen zu füllen.
    Ich weiß nich mehr weiter.
    Bitte um Hilfe.
    LG Sophie

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  9. Hallo Sophie,

    wenn deine Hündin wirklich so extrem und durchgängig haart, solltest du sie auf jeden Fall nochmal bei Tierarzt vorstellen, ggf. auch mal den Tierarzt wechseln. Der TA sollte prüfen, ob evtl. eine Hormonstörung bei einer Hündin vorliegt, und ein großes Blutbild machen um festzustellen, ob und wo Mängel vorliegen, um diese dann gezielt ausgleichen zu können.

    Auch eine Futtermittelallergie, bzw. eine allergische Reaktion auf bestimmte Konservierungsstoffe o.ä. im Futter könnte evtl. in Betracht kommen. Auf jeden Fall würde ich dir aber raten, zunächst ein großes Blutbild machen zu lassen, und den Hormonspiegel der Hündin testen zu lassen. Falls ein Mangel oder eine Hormonstörung vorliegt, muss das zuerst ausgeglichen werden.

    "Auf gut Glück" immer wieder das Futter zu wechseln, wird wenig bringen, denn sämtliche Fertigfutter sind auf den Grundbedarf des Hundes ausgerichtet. Liegt also schon ein Mangel an bestimmten Vitaminen vor, kann der durch den Wechsel der Futtermarke allein nicht ausgeglichen werden.

    Um das Allergierisiko zu minimieren, (und aus vielen anderen guten Gründen), kann ich nur zu einem guten Biofutter raten. So teuer wie die meisten Hundehalten glauben ist ein gutes Biofutter nicht. Das hatten wir ja hier in unserem Hundefuttertest schon einmal genau nachgerechnet. Das Futter, das wir dort vorgestellt haben, eignet sich übrigens auch zu Durchführung einer Ausschlussdiät bei einer eventuellen Allergie.

    Ich hoffe, wir konnten dir weiterhelfen.

    LG Lydia & Alex

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